„Jazz und Krimi“ im Bücherturm

Fenstersturz mit falschem Toten

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Offenbach - Normalerweise ist das Spannendste an einem Krimi die Mördersuche. Nicht so bei „Jazz und Krimi“, zu dem Jazz e.V. Offenbach nun in den Bücherturm eingeladen hatte. Von Maren Cornils

Denn hier stahlen Rolf Plaueln (Gitarre), Achim Farr (Saxophon), Joni Jacobi (Piano) und Ruth Eichhorn (Gesang), zusammen die „Swing Gang“, Chester Himes‘ „Fenstersturz in Harlem“ schlichtweg die Show.

Zwar wird an dem Abend, der im Harlem der Prohibitionszeit spielt, auch nach dem Mörder eines Mafiabosses gesucht, im Vordergrund stehen jedoch die Musik dieser Ära, der kraftvolle Gesang von Ruth Eichhorn und die von Chester Himes in seinem Harlem-Krimi sorgsam beschriebenen Charaktere.

Da ist zum einen der Tote, Big Joe Pullen, ein Mann mit dubioser Vergangenheit. Zum anderen die Verdächtigen: Johnny, ein halbseidener, zur Gewalttätigkeit neigender Geschäftsmann, dessen Frau Dalcy, die alte Mammy Pullen, der ermittelnde Kommissar, Sergeant Brody, der asiatische Messerkünstler Chink, die spärlich bekleidete Doll Baby und Brodys Assistenten Grave Digger Jones und Coffin Ed Johnson.

Gern gesehen Gäste

Bevor sie alle ihren Auftritt haben, ist freilich erst einmal Musik angesagt: Rolf Plaueln und Achim Farr, beide gern gesehene Gäste im Bücherturm, eröffnen, begleitet von Joni Jacobi und Ruth Eichhorn als Sängerin, den Abend mit Louis Armstrongs Klassiker „Basin Street Blues“ und entführen die Zuschauer zu den Wurzeln des Jazz.

Und dann geht es los. Vor spärlich dekorierter Kulisse nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Sabine Kriegsmann eröffnet den Krimi mit dem Sturz, der eine Kette von Ereignissen auslöst, denn der Mann, dessen tragischer Fall minutenlang geschildert wird, ist nicht der Tote, den man kurz darauf findet. Rasch reiht sich Szene an Szene, zum Teil übergangslos, so dass die Konzentration der Zuhörer gefordert ist. Doch schon bald entwickelt Himes' fast drehbuchartige Milieuzeichnung ihren Reiz: Im Zeitlupentempo lässt der Autor jedes noch so kleine Detail Revue passieren, seine Beschreibungen gleichen einer Kamerafahrt.

Unterbrochen werden die von Ruth Eichhorn, Sabine Kriegsmann und Johannes Bähr gelesenen Szenen von langen Song-Einheiten, in denen das Musiker-Trio beweisen kann, was es auf dem Kasten hat. Das Repertoire reicht vom groovigen „Saint James Infirmary“ über das fast gospelartig anmutende „Sweet Low“ bis hin zum „Saint Louis Blues“. Musik, die so schön wie schwermütig ist und bei der so mancher Zuschauer begeistert im Rhythmus mitgeht.

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