Fern gängigen Repertoires

Frankfurt - Fern des gängigen Repertoires blieb Michael Nagy bei seinem Liederabend in der Oper Frankfurt: Von Axel Zibulski

Der Bariton, der seit 2006 zum Ensemble des Hauses am Willy-Brandt-Platz gehört und erst im Juni als Graf Luna in der Frankfurter Premiere von Hans Pfitzners „Palestrina“ zu sehen war sowie unlängst beim Rheingau Musik Festival als Solist bei der Aufführung des Messias-Doppels von Sven-David Sandström und Georg-Friedrich Händel, stellte im zweiten Programmteil klug Vertonungen von Eichendorff-Gedichten verschiedener Komponisten nebeneinander: Da hatte seine Stimme längst zu einer Ausgeglichenheit und Strahlkraft gefunden, die man nur ganz am Anfang dieses Konzerts mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber vermisst hatte.

Dabei war Michael Nagys Einstieg allerdings auch gewagt: Im ersten Programmteil interpretierte er Robert Schumanns „12 Lieder auf Gedichte von Justinus Kerner“ op. 35, die schon in ihrer Eröffnungen mit der „Lust der Sturmnacht“ von inwendiger Emotionalität geprägt sind und eine äußerste lyrische Wendigkeit verlangen. Aber Nagys stimmliche Stärken kamen bald zum Tragen, ein feines Legato wie eine sonor-stabile Basslage, aber auch seine bald mit gut austarierter Kopfstimme genommenen Höhen. Die Statik von Othmar Schoecks Eichendorff-Lied „Winternacht“ op. 30/3 klang düster-kultiviert, Schumanns „Schatzgräber“ hoch beweglich.

Mit Gerold Huber konnte sich Nagy eines Begleiters sicher sein, der vital mitgestaltete – auch die Pointen und skurrilen Wendungen in einer Auswahl von Liedern Erich Wolfgang Korngolds (1897-1957): Dessen schrullig-schroffes Charakterbild einer „Genialen“ („Einfache Lieder“, Nr. 3) gaben beide Künstler als Zugabe gleich noch einmal – und Nagy brachte sich so vollends auf Kurs in Richtung Korngolds Oper „Die tote Stadt“: Wenn sie am 22. November an der Oper Frankfurt Premiere hat, wird er der Bariton in zentraler Rolle mitwirken.

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