Italienische Opernnacht in Dreieich

Festival der Stimmkunst

Vokaler Glanz im Hayner Burggraben Foto: Sauda

Dreieichenhain - Die himmlischen Mächte waren der Italienischen Opernnacht bei den Burgfestspielen Dreieichenhain nicht wohlgesonnen. Der Hörer musste sich den Genuss erst erarbeiten. Von Eva Schumann

Die nassen Sitze galt es abzuwischen, und zum Anlegen der Capes bedurfte es nachbarschaftlicher Hilfe. Das tat der Begeisterung keinen Abbruch; im Gegenteil: Sie wuchs sogar noch.

Die Ouvertüre zu Rossinis Barbier, von der Großpolnischen Philharmonie Kalisch unter Dirigent Hermann Breuer mit Schwung und Raffinesse gespielt, musste den letzten Muffel vom Stuhl reißen. Gute Laune sicherte die Verleumdungsarie des Don Basilio, dem Juri Zinovenko seinen finsteren Bass lieh. Der Gast aus der Krim beschrieb so glaubhaft wie vergnüglich die Wirkung der „calunnia“ bis hin zum Kanonendonner. Im elegischen „O mio Palermo“ aus Verdis „Sizilianischer Vesper“ konnte er sich jedoch friedlich zeigen.

„Io morrò, ma lieto in core“ kündigte Oleksandr Prytolyuk in der Rolle des Posa aus Verdis „Don Carlo“ an. In dieser Sterbeszene verströmte sein sonorer, flexibler Bariton viel kraftvollen Schmelz. Die leichte Indisposition war ihm auch als Enrico in der Arie „Cruda funesta smania“ aus „Lucia di Lammermoor“ kaum anzumerken.

In der Wahnsinnsszene der Donizetti-Oper hatte Elena Daniela Mazilu ihren grandiosen Auftritt. Die junge Sopranistin gab sich nicht als Callas-ähnliche Furie, sondern war eine anrührend zerbrechliche Lucia. Mit ihrem lichten, nicht großen Sopran, müheloser Höhe und fabelhafter Beherrschung abenteuerlicher Koloraturen brachte sie auch Dramatik eindringlich zur Wirkung. Die Offenbachsche Barcarole sang sie gemeinsam mit Almerija Delic. Die herzegowinische Mezzosopranistin gefiel als Giulietta mit voluminöser, vor allem in der Tiefe warmer Stimme. Große Ausstrahlung entwickelte sie als La Cieca aus Ponchiellis „La Gioconda“, auch eine Romeo-Arie aus Donizettis Oper „I Capuleti e i Montecchi“ gestaltete sie eindringlich.

Der mexikanische Tenor Eduardo Vila interpretierte die Romanzen des Enzo aus „La Gioconda“ und des Radames aus „Aida“. Der „Stargast“ von der Met punktete zwar nicht mit Jugend, aber mit Können und Erfahrung. Im Duett Otello-Jago vereinte er seinen kraftvollen Tenor mit dem Bariton Prytolyuks.

Bei zwei Sextetten ergänzte Tenor Wolfgang Vetter wohlklingend das Ensemble. Im berühmten, wenn auch nicht authentischen Septett aus „Hoffmanns Erzählungen“ sangen die Solisten die Chorpartie mit. Gnadenlos blieben nach der Pause die himmlischen Schleusen geöffnet. Nach dem Motto des Donizettischen Sextetts „Wer zügelt mich in diesem Moment“ hielten nicht nur die Sänger tapfer das Programm bis zum Finale durch. Auch das Publikum erwies sich als hart im Nehmen und erklatschte sich mit nassen Händen noch das Trinklied der „Traviata“.

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