Festliches aus Venedig

+
Das Frankfurter Renaissance-Ensemble brachte mit venezianischer Festmusik weihnachtlichen Glanz in die Rumpenheimer Schlosskirche.

Das Frankfurter Renaissance-Ensemble brachte mit venezianischer Festmusik weihnachtlichen Glanz in die Rumpenheimer Schlosskirche. Um 1600, an der Schwelle von der Spätrenaissance zum Barock, war Venedig berühmt für seine repräsentative Musik. Von Eva Schumann

Staunenswert mögen besonders die doppelchörigen Werke eines Giovanni Gabrieli gewesen sein. Den Reiz des Echos hatte vor ihm aber der Franco-Flame Adrian Willaert entdeckt. Vertonungen des Responsoriums „O Magnum Mysterium“ beider Komponisten stellte das Ensemble gegenüber. In Willaerts vierstimmiger Motette wurde Sopranistin Johanna Krell vom Gambenquartett begleitet. In Gabrielis achtstimmiger Vertonung wetteiferten ein Vokalduo und ein Instrumentalensemble aus Gamben und Blockflöten. Zur Sopranistin gesellte sich als Countertenor Maarten van Leer.

Der Abend versprach umso mehr Gewinn, als Matthias Schneider, Leiter des Renaissance-Ensembles, manchen Fund aus Archiven sowie instrumentale und vokale Werke in verschiedenen Besetzungen präsentierte und so mit den wesentlichen Instrumentalformen der Epoche bekannt machte.

Glanzstück war die „Messa sopra re mi fa sol la re“

Eine sechsstimmige Instrumentalverarbeitung der Motette „Puer qui natus est nobis“ von Claudio Merulo eröffnete den Abend, eine spätere fünfstimmige Canzone erklang im zweiten Teil. Einem Ricercare von Willaert, gespielt vom Gambenquartett, ließen die Musiker mit Blockflöten und Gamben das doppelchörige „Quem pastores laudaverunt“ von Francesco Usper folgen.

Von diesem Komponisten erklang außerdem eine reich kolorierte „Aria francese“ von 1595. Echo-Effekte bestimmten ebenso eine Sonata a 4 von Giovanni Battista Riccio. Achtstimmig war Gabrielis „Canzon Noni Toni“ von 1597, doch auch sein „Ricercar a 4“ entpuppte sich als prächtige Canzone.

Für Gabrielis doppelchörige Motette „Hodie Christus natus est“ standen den Musikern zwar nicht die Möglichkeiten von San Marco, aber zumindest eine Empore zur Verfügung. Wie ein Engelschor ließ sich von dort oben das Vokalquartett hören. Die Sopranistin bezauberte mit klarer Stimme und gestalterischer Sicherheit; die Mittelstimmen sangen Christine Weiß-Savavi und van Leer; für das kräftige Bass-Fundament sorgte Joachim Kügler.

Ein Fund Schneiders und Glanzstück des Abends war die doppelchörige „Messa sopra re mi fa sol la re“ von Alessandro Grandi. Vokalquartett und Instrumentalensemble musizierten mit großer Flexibilität und in tadelloser Übereinstimmung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare