Wenig mitreißend

Flaubert 2.0: "Madame Bovary" gibt sich selbstbewusst

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Mia Wasikowska als Emma Bovary dreht sich zu Ezra Miller als Leon Dupuis um.

München - Die Texte haben immer noch eine brillante Schärfe, aber: Sophie Barthes’ Interpretation von „Madame Bovary“ reißt nicht mit. Der Film bleibt gegenüber dem Roman unterkomplex.

Gustave Flauberts Roman „Madame Bovary“ sorgte im Jahr 1856 für einen Skandal. Wegen eines „Verstoßes gegen die guten Sitten“ zerrte man den Autor vor Gericht. Diese Zeiten sind vorbei, doch hat der Text an seiner brillanten Schärfe nichts verloren. Das belegen die vielen Filmadaptionen, die den Stoff immer wieder neu deuteten. Die französische Regisseurin Sophie Barthes misst sich mutig mit Kollegen wie Jean Renoir oder Claude Chabrol und fügt der Liste an Verfilmungen jetzt eine neue Fassung hinzu, sozusagen die „Bovary 2.0“.

Durch Veränderungen des Figurenpersonals und andere Akzentuierungen (die Schulden sind drückender, das Kind fehlt) gibt diese „Madame Bovary“ einen modernen, selbstbewussteren Ton vor. So verfällt Madame etwa dem Kaufrausch, um sich von der öden Provinz abzulenken und sucht ihre Liebhaber aktiv aus.

Mia Wasikowska schreitet energisch durch die Szenen – diese Madame Bovary kann sich locker mit Isabelle Huppert messen, der bisher perfektesten Verkörperung der Figur. Der Komplexität des Romans wird Sophie Barthes aber nicht gerecht. Auch visuell bietet ihr Film zu wenig, um wirklich mitreißen zu können.

„Madame Bovary“

mit Mia Wasikowska

Regie: Sophie Barthes

Laufzeit: 119 Minuten

Annehmbar

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