„The Voice of Germany“

Finalisten in der Frankfurter Festhalle

„Rolling in the Deep“: Tiana Kruskic, Emily Intsiful, Caro Trischler und Debbie Schippers (v.l.) auf Adeles Spuren.

Frankfurt - Nach der Show ist vor der Show. Auch für Stars in spe. Kurz nach dem rauschenden Fernsehfinale von „The Voice of Germany“ schicken die Macher ihre Final-Schützlinge schon wieder auf die Ochsen-Tour durch die großen Arenen der Republik Von Peter H. Müller

Der Tournee-Nachbrenner zum TV-Event nennt sich neudeutsch „The Voice of Germany - Live in Concert“ und sorgt in der bestens besetzten Festhalle - allen Unkenrufen zum Trotz - für einen schön bunten Abend. Was auch darin liegen könnte, dass die ausgewiesenen Jury-Komiker-Coaches um Nena und Max Herre lediglich von der Leinwand grüßen.

Dabei hatte man im Vorfeld Schlimmes befürchten müssen. Denn halbwegs gute Kunde vom Bühnensturm der „Voice of Germany“-Talente suchte man bisher vergeblich. In den (a)sozialen Medien hagelte es gallige Kritiken, zwischen Berlin und Köln formierten sich entgeisterte Fans und so manches Online-Portal witterte gar einen Skandal. Gewichtigster Stein des Anstoßes: ein ärztliches Bulletin mit der schockierenden Diagnose „Akute Laryngitis und Tracheitis“, was man laienhaft kurz mit „Erkältung“ und Auftrittsverbot übersetzen könnte. Es betraf dummerweise „Rocket Man“ Andreas Kümmert, den zauselbärtigen Kugelbauch der Nation, der das Finale mit dem programmatischen „Simple Man“ mit überragender Quote gerockt hatte.

Hommage an die The-Voice-Zeit

In der Festhalle fahndet man beim Snow-Patrol-Opener „Chasing Cars“ nach dem sympathischen Kapuzenpulliträger also wieder umsonst. Dafür sind mit Tiana Kruskic, Emily Intsiful, Chris Schummert und Co. gleich neun Halbfinalisten zur nächsten Begutachtung angetreten. Neun? Genau. Die „The Voice“-Strategen haben nämlich eigens für die Tour zwei „Wildcards“ an Moonwalk-Tänzer Nico Gomez und die luxemburgische Isländerin Thorunn Egilsdottir ausgelobt - kleines Trostpflaster für die früh Gescheiterten und deren Fans. So weit, so seltsam.

Danach aber geht die von der Düsseldorfer Band „Fresh Music Live“ beschallte Nummernrevue ihren erwarteten Gang: Es wird gecovert, was bei „drei“ nicht hinterm Busch verschwunden ist, von Adeles „Rolling in the Deep“ (im Vierer-Mädels-Chor) über Lenny Kravitz´ „Fly away“ (Debbie Schippers & Judith van Hel) bis zu Philipp Poisels Befindlichkeits-Ballade „Ich will nur“ (Peer Richter). Immerhin: Judith van Hel, die kopfrasierte, gepiercte, halstätowierte Münchner Ergotherapeutin mit der starken Stimme, hat ihre erste Single dabei. Und die klingt fast wie sie titelt: „Fuckin´ beautiful“. Dafür ist Emily Intsifuls erstes eigene Werk „Freunde“, das natürlich eine „Hommage an die schöne gemeinsame The-Voice-Zeit“ sein soll, eher ein medioker tönendes Sedativum.

Der Gegenentwurf zur Joan-Armatrading-Kopie Emily: Debbie Schippers, 17, das Dreadlock-bewehrte Kurz-vor-dem-Abi-Mädchen aus dem berühmten Geilenkirchen. Mit knackigen Kostümchen und passablen R´n´B-Sounds macht sie entschieden mehr Punkte als Petticoat-Trägerin Caro Trischler, die sich etwa an Pinks „Trouble“ versucht, oder Tiana Kruskic, die sich mit Verve an „Proud Mary“ abarbeitet. Aber gut, man darf die Messlatte vielleicht auch nicht zu hoch legen, hier sind immer noch Amateure und Halbprofis am Werk, die gerade durch den Teilchenbeschleuniger einer Casting-Show gejagt wurden - dafür machen die Jungs und Mädels ihre Sache durchaus respektabel.

Was sonst bleibt von dieser Darbietung? Die Erkenntnis, dass „The Singer“ Chris Schummert, der eine wirklich beeindruckende Stimme hat, den Sprung von der Show-Treppe noch mal üben sollte, dass Judith van Hel eine kompetente Stilberaterin sicher gut tun könnte und dass die Mutter der Krabbelgruppe, Thorunn Egilsdottir (39), mit Begeisterung Dostojewski liest - sicher nicht die schlechteste Alternative zur „Superstar“-Karriere. Ach ja, die positive Nachricht noch zum Schluss: Andreas Kümmert soll nun doch wieder gesundet sein - und die „The Voice“-Karawane auf der zweiten Tour-Hälfte verstärken. Alles wird gut.

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