Finnen auf Spuren der Romantik

Franz Schuberts „Rosamunde, Fürstin von Cypern“, war offenbar auch im hohen Norden daheim. Das machten Sakari Oramo und sein Finnish Radio Symphony Orchestra beim Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper klar.

Die Wanderer-Fantasie nach Art des Klavier-Titanen Franz Liszt nutzte der junge finnische Pianist Antti Siirala zum fulminanten Frankfurter Debüt. Zumindest formal knüpfte Jean Sibelius in seiner Fünften an Schuberts Wandersmann an.

Rosamundes Kampf gegen den Thronräuber, der ihren Vater meuchlings ermordete, schildert ein Trivial-Drama der Romantik, zu dem Schubert die Bühnenmusik komponiert hat, deren Intermezzi zum konzertanten Gut zählen. Vor allem jener Ohrwurm, den Sakari Oramo, als Dirigent kein Schaumschläger, sondern ein rationeller und effektiver Zeichengeber, nach qualvollen Gedanken in h-Moll und ein paar frommen Wünschen pathosfrei tönenden Blechs zielsicher anpeilt. Ein wunderschönes Stück Musik, feinfühlig nachbereitet und von Klarinetten und Oboen delikat variiert.

Schuberts Wanderer-Fantasie ist die substanzielle Basis, Liszt hat daraus ein Konzert für Klavier und Orchester geschaffen, dessen Anspruch der preisverwöhnte finnische Pianist mühelos gewachsen ist, darüber hinaus gestalterische Impulse sendend. Ob donnernde Oktavengänge oder Klangtupfer im Diskant – Siirala umschifft meisterlich die virtuosen Fährnisse, schärft den Charakter der Themen bis hin zum fest gefügten Kontrapunkt des Finales. Und dies mit solch sensibler Anschlagskunst, dass die finnischen Sinfoniker sich manchmal mehr zurücknehmen könnten. Der Balance wegen. Mit dem Brahms-Intermezzo op.118 Nr. 2 taucht der Finne noch in der Zugabe tief ab in schwierige romantische Gefühlswelten.

Allemal seelische Befindlichkeiten spiegelnd, wie dies Jean Sibelius (1865-1957) in seiner Sinfonie Nr. 5 Es-Dur ein Bedürfnis ist. Oramo dirigiert auswendig und ohne Taktstock, doch ihm entgeht nichts. Als gelernter Geiger, weiß er zudem, wie man ein dreifaches Piano der Streicher noch in Spannung hält und wie man die von dunklen Bläserakkorden grundierten Ostinati auf vielen instrumentalen Ebenen zum Drama verdichtet. Orchestraler Feinschliff auch in der Zugabe, der „Szene mit Kranichen“, den Todesboten im Märchen. Musik zum Schauspiel „Kuolema“, zu der auch der berühmte „Valse Triste“ gehört, eigentlich ein finnisches Muss. Diesmal jedoch kaum vermisst …KL. ACKERMANN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare