Flotter Dreier mit Trommeltanz

So ganz vergessen waren nicht alle Werke des 5. Kammermusikabends der Musikgemeinde Ober-Roden, doch Debussys „Ariettes oubliées“ hatten das Stichwort gegeben. Der Vergessenheit entrissen wurden diese und andere Melodien vom höchst ungewöhnlichen Trio, zu dem sich Posaunist Frederic Belli, Schlagzeuger Johannes Fischer und Pianist Nicolas Rimmer verbündet haben.

Ihrem Arrangement gelang es vortrefflich, Debussys Klangzauber zu entfalten. Während der Posaune die Melodie anvertraut war und das Klavier das Zentrum bildete, fungierte das Schlagwerk nicht nur als Rhythmusgeber. Von Fischer einfallsreich kombiniert, fügte es klangliche Reize hinzu.

Auch Winter und Frühling aus „Las Cuatro Estaciones portenas“ von Astor Piazzolla hatte das Ensemble für seine Zwecke arrangiert, hier für die Besetzung Posaune, Vibraphon, Klavier. Mitreißend musizierte es die faszinierende Mischung aus Tango-Sentiment, Jazz-Rhythmen und Barock-Zitat.

Die Interpreten profilierten sich auch solistisch. Rimmer nahm das Publikum mit auf die Reise zur Liebesinsel Kythera, die der von einem Watteau-Gemälde inspirierte Debussy im Charakterstück „L’Isle joyeuse“ verewigte. Feinfühlig, betörend, aber auch mit kraftvollem Zugriff malte Rimmer die dionysischen Impressionen nach. Aus den „Goyescas“ von Enrique Granados spielte Rimmer „Queja, o la maja el tuor“, die auch bei Sängerinnen beliebte Klage des verlassenen Mädchens, dem die Nachtigall Trost spendet. Unter seinen Händen geriet sie zum ergreifenden Gesang.

Zumindest bei Posaunisten sind Hindemiths Sonate von 1941 und Frank Martins Ballade von 1940 in lebendiger Erinnerung. Mit seinem Klavierpartner musizierte Belli die unterschiedlichen Stücke spannungsvoll und mit sicherer Intonation. Spektakulär waren die ebenso präzisen wie temperamentvollen Solo-Auftritte des Schlagzeugers. Mit großer Geschicklichkeit zauberte er auf dem Vibraphon Larry Bakers minimalistische „Rain Music“, wirbelte auf dem Trommel-Set durch die „Rebonds“ von Xenakis und steigerte sich zu wahrem Tanz. Auch vor Bachs Polyphonie schreckten die Klangzauberer nicht zurück. Als Zugabe führten sie in der Triosonate aus dem „Musikalischen Opfer“ ein vorbildliches Dreiergespräch. EVA SCHUMANN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare