Foreigner unplugged in der Alten Oper

Klassiker ohne Dezibel-Rekord

Frankfurt - Der Stecker ist raus, aber die Flamme brennt noch. Selbst in gediegener Wohnzimmerkulisse. Von Peter Müller 

Foreigner, die ehemalige Band für Erwachsenen-orientierten Rock, formiert in der ausverkauften Alten Oper den entspannten Stuhlkreis - und gibt ein Unplugged-Konzert, das die Fans mit minutenlangen Ovationen feiern. Wichtigste Erkenntnis der „Acoustique-Tour“: Legendäre Hits wie „Juke Box Hero“ oder „Cold As Ice“ bleiben Hits, auch ohne Dezibel-Rekorde. Es soll ja nicht wenige Nostalgiker geben, die in 1977 ein wahrhaft großes Jahr der Rock-/Popmusik ausgemacht haben. Das kann man so sehen: Die Eagles etwa erfinden mit „Hotel California“ einen Song für die Ewigkeit, weltweit tobt die ABBA-Mania, Genesis nehmen mit „Seconds out“ eines der besten Live-Alben ever auf, Queen schmettern „We Are The Champions“ und Sid Vicious stößt zu den Sex Pistols - während Dieter Bohlen noch dankenswerterweise Diplom-Kaufmann übt, Britney Spears nicht mal geboren worden ist.

Stattdessen erblickt aber das Debüt-Album einer britisch-amerikanischen „Ausländer“-Combo das Licht der Welt. Es heißt wie die Band und geht allein in den USA mehr als fünf Millionen mal über den Ladentisch - der „Adult Oriented Rock“, was auch immer das sein mag, trägt spätestens nach dem epochalen „4“ (1981) vor allem den Namen Foreigner. Gute drei Jahrzehnte und rund 80 Millionen verkaufte Tonträger später sitzt Gitarren-Veteran Mick Jones nun im weißen Designerstuhl und erzählt die nette Anekdote, dass er für eine englische Kinokomödie neben dem Lead-Song „Flame Still Burns“ mal eben sieben weitere Stücke schreiben musste - binnen vier Tagen.

Jones, der im Dezember runde 70 wird und an fast allen großen Hits mitgewerkelt hat, ist der letzte der alten Gründergarde. Um ihn herum: Bruce Watson (Gitarre), Jeff Pilson (Akust. Bassgitarre), Multi-Instrumentalist Thom Gimbel, der mit Querflöte und Saxophon auch wohl tönende andere Saiten aufzieht, schließlich Kelly Hanson, seit der Demission von Lou Gramm 2003 die Stimme von Foreigner. Alle werden schon vor dem ersten Ton des Openers „Double Vision“ gefeiert, als gäbe es kein Morgen - von einer Fangemeinde, und das ist vielleicht das Verblüffendste, die jugendliche Hipster und Rock-Rentner eint.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Foreigner-Songs wie „Say You Will“, „Waiting For A Girl Like You“ oder „Feels Like The First Time“ bleiben selbst im lieblichen Satzgesang eine Art Konsens-Rock, der generationenübergreifend Begeisterung entfacht. Und eine fröhlich groovende Elvis-Nummer wie „That´s All Right Mama“ - sinnigerweise nach „Dirty White Boy“ eingestreut - sorgt zwischen all den Liedern zum Hinsetzen auch noch für willkommene Bewegung. Es funkt also, trotz Minimal-Equipment und zuweilen gewöhnungsbedürftiger Arrangements.

Denn natürlich ist eine solche Akustik-Session, die zurzeit übrigens auch von Status Quo und ihrem „Support“ Lou Gramm zur aufgeführt wird, kein Rock-Konzert - so sehr das Zeremonienmeister Hansen auch mit dem Statement „Selbst wenn wir heute eine Unplugged-Show feiern, es bleibt eine Rock-Show!“ beschwören mag. Seine Aufforderung, Sex gern auch im Sessel zu praktizieren, läuft denn auch soweit bekannt eher ins Leere. Dafür gibt’s aber im Finale, mit „I Wanna Know What Love Is“ und einem eigens aus Alzenau eingeflogenen Chor, noch mal eine Gänsehaut-Entzündung gratis - bevor der umjubelte Auftritt mit „Hot Blooded“ endet. Ein wenig abrupt, aber schön war’s allemal.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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