Talente trumpfen mächtig auf

Offenbach - „Festival der Jungen“ nennt Leiter Gerhard Jenemann seine „Fränkischen Musiktage“. Warum, das hörte man in Mühlheims Kulturhalle Schanz wie in Offenbachs Sparkassensaal, in dem neun preisgekrönte Talente der Kammermusik-Akademie von Peter Buck mächtig auftrumpften. Von Reinhold Gries

Schon bei Ermanno Wolf-Ferraris „Streichsextett c-Moll“ (1895) war Buck an seinem Ruggieri-Cello sichtlich beeindruckt vom Schwung seiner Talente, die hochkonzentriert miteinander kommunizierten. Für energischen Durchzug im Stimmengeflecht sorgte die Spitzengeigerin Kathrin ten Hagen auf ihrer Guarneri. Mit Alina Petrescu an der zweiten Violine fand ten Hagen im Larghetto zu lyrischem Zwiegesang, von Buck mit Stephan Buchmiller an den Celli sowie Lara Sophie Schmitt und Olof von Gagern an der Bratsche. Der Parforceritt mischte spätromantische Tonsprache so mitreißend mit aufgeladener Chromatik, dass Buck im Finale bremsen musste, um feines Geigenflüstern und schwelgerisches Legato gebührend zur Wirkung zu bringen.

Voll zündender Ideen auch Alexander von Zemlinskys unvollendete „Zwei Sätze für Streichquintett“ (1894-96). Das Allegro schraubte sich von zarten Einsätzen und dunkel Verhangenem zu immer komplexerem und tonal freierem Stimmengeflecht empor, im dem ten Hagen erneut für Präzision und pulsierendes Leben sorgte.

Sonderlob verdiente sich Bucks Talentschuppen auch in Franz Schuberts „Streichquintett C-Dur für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli“ aus dessen Todesjahr 1828. Das Regiment und hinreißende Solo-Partien übernahm Mozartpreisträgerin Jeyhee Lee auf ihrer Bergonzi-Geige. Im Adagio holte sie zu hoch empfindsamer und verträumter Gesangsszene aus. Mit Buck und Marie Louise Lind an unterschiedlich agierenden Celli wechselte sie mit Verve von Brodelndem in lyrisch-weiche Seitenthemen. Im dichten Triolentremolo sorgten auch Bratschistin Kyoungmin Park und Angelo de Leo an der zweiten Geige für Klangfülle. Zuweilen schien die Welt stillzustehen, bevor Temperamentsausbrüche des Scherzo aufrüttelten und das stürmische Presto mit geheimnisvoll verhangenem Trio wechselte. Auch wie Bucks junge Wilde Zitate des Wiener Biedermeier im rhythmischen Finale versteckten, machte Schuberts Kammermusik alle Ehre.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Christian Seidel

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