US-Pianist Murray Perahia in der Alten Oper

Inständige Dialoge hingebungsvoll gespielt

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Frankfurt - Viele dachten, da habe jemand den falschen Knopf gedrückt. Doch die Dunkelheit zu Beginn gehört zu Alfred Schnittkes „Moz-Art á la Haydn“, das die Academy of St Martin in the Fields auch szenisch akzentuiert. Von Klaus Ackermann

Spannendes Vorspiel beim Pro Arte-Konzert in der Alten Oper, von Murray Perahia geprägt, der mit gleich zwei Klavierkonzerten aufwartet. Starke Impulse versendet der US-Pianist zudem als Dirigent von Joseph Haydns „Sinfonie mit dem Paukenschlag“. Ein Insektenschwarm scheint zu summen, wenn Schnittke die einzelnen Instrumente des Streichorchesters in originellen ostinaten Figuren vorstellt. Und wenn die zwei effektvoll aufspielenden Solisten zur großen Konzertgeste ansetzen, geht auch das Licht im Großen Saal wieder an – die Erleuchtung folgt prompt.

Es sind Bruchstücke von herausragenden Werken der Wiener Klassik, die der russisch-deutsche Komponist (1934-1998) zitiert und konzertant ausschwingen lässt, halt „Moz-Art á la Haydn“. Für die virtuos auftrumpfenden Violinsolisten von „St Martin“ auch Grund für große Gesten, die augenzwinkernd auf ironische Distanz gebracht werden. Ein echter Schnittke also, der sich einmal mehr als scharfer Analytiker und humorvoller Therapeut ausweist.

Dagegen leitet Mozarts Konzert für Klavier und Orchester in die dunklen Moll-Sphären des „Don Giovanni“, ein Bekenntniswerk, dessen Leidenschaftlichkeit der Pianist nachhaltig umsetzt. Für die inständigen Dialoge bedarf es schon eines so hingebungsvoll aufspielenden Orchesters wie St. Martin, der intensive Streicherklang eng verschweißt mit den wohltemperierten Holz- und Blechbläsern. Ein Geben und Nehmen, das in der Romance mit ihrem schlichten Melos anzurühren vermag.

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Irgendwie muss Perahia über telepathische Fähigkeiten verfügen, so präzise und vor allem rhythmisch effektvoll ist das Zusammenwirken mit „St Martin“ im Konzert für Klavier und Streicher Nr. 3 D-Dur von Johann Sebastian Bach. Auf kleinste Regungen des munter artikulierenden Pianisten wird da reagiert. Auch im Adagio mit seinem November-Moll, von den Cellisten nachhaltig aufgeladen, dem ein flottes barockes Dreiviertel-Takt-Thema folgt, dem Perahia am großen Flügel Girlanden flicht. Stilistisch makellos zeigt sich der US-Star dann auch als Dirigent, Haydns Sinfonie Nr. 94 G-Dur stürmisch beflügelnd.

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