Einblicke in die Werkstatt

Frankfurt - Der Einklang der Form mit dem poetischen Gehalt macht die Qualität einer Komposition aus. Arnulf Herrman gibt Einblicke in seine Werkstatt.  Von Stefan Michalzik

Für den Berliner Komponisten Arnulf Herrmann, der bei der jüngsten Folge der Gesprächskonzertreihe Happy New Ears des Ensemble Modern Einblicke in seine Werkstatt gegeben hat, steht am Anfang des Kompositionsprozess üblicherweise ein formaler Anknüpfungspunkt. Die Hörerfahrung vermittelt einen Eindruck von kompositorischer Stringenz: Herrmann, 1968 geboren, gehört zu den interessantesten deutschen Komponisten seiner Generation.

Monströses Lied für Soloklarinette und kleines Ensemble ist ein Klarinettenkonzert; Herrmann definiert jedoch die Beziehung zwischen dem Solistinstrument, wie schon bei der Uraufführung 2007 spielte Widmungsträgerin Nina Janßen-Deinze, und dem Kollektiv völlig neu. Der Form nach handelt es sich um ein Lied, es wird jedoch gleichsam gesprengt, die Linearität ist aufgehoben. Die Klarinette ist zunächst Leitstimme, später geht sie im Verbund auf.

Bei dem Solostück ROOR für Posaune von 2005, auch hier spielte Widmungsträger Uwe Dierksen, hat Herrmann die spieltechnischen Möglichkeiten des Instruments zum Ausgangspunkt genommen. Das 2010 entstandene Bagatelle für Klarinette und Horn, Nina Janßen-Deinzer und Saar Berger, ist die Keimzelle für „Wasser“, dem vom Ensemble Modern uraufgeführten Musiktheaterstück. Es handelt sich aber um ein eigenständiges Werk, nicht bloß um eine Kammermusikfassung. Den teils extrem hohen technischen Anforderungen wurde das von Manuel Nawri umsichtig geleitete Ensemble Modern so bravourös wie stets gerecht.

Rubriklistenbild: © Britta Schlüter / pixelio.de

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