Der Frankfurter Christoph Lauer spielt Sidney Bechet

Auf den Spuren eines Jazz-Pioniers

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Christof Lauer kommt mit seinem Quartett in die Frankfurter Romanfabrik. Im Gepäck hat der erfahrene Saxophonist Werke des heute als Klassiker geltenden Innovators Sidney Bechet.

Frankfurt - Christof Lauer zählt zu den Urgesteinen der Frankfurter Jazzszene. Der umtriebige Saxophonist ist zurzeit mit Kompositionen von Sidney Bechet auf Tournee. Von Detlef Kinsler

Wer kennt sie nicht, die Ohrwürmer à la „Sunny Side Of The Street“? Das sonnige Stückchen stammt aus der Feder von Jimmy McHugh und Dorothy Fields, war Teil einer Broadway-Revue Anfang der Dreißigerjahre und entwickelte sich zu einem Jazzstandard. Als solcher gehörte er auch zum Repertoire der Zeitgenossen Louis Armstrong und Sidney Bechet.

Eine ganz andere Welt als die, in der sich Saxophonist Christof Lauer normalerweise bewegt. 1978 stieg der Nordhesse in die Frankfurter Jazzszene ein, war Mitglied des legendären Jazzensembles des Hessischen Rundfunks und der Gruppe Voices, spielte da mit Albert Mangeldorff und Heinz Sauer. Klar, dass die „Frankfurter Schule“ Lauers Image nachhaltig prägte. Free Jazz und Avantgarde, das liest sich immer gut in einer Biografie. Aber viel wichtiger für einen Könner wie Lauer ist letztlich die Wahrnehmung als eigene Stimme im großen Kanon der Bläser. Denn was er aus dieser Epoche mitnahm, war, dass jeder Solist ermuntert wurde, „seinen eigenen Stil zu finden und zu bilden.“ Und dank eines auffälligen Profils, von Musikerkollegen wie dem verstorbenen Gitarristen Volker Kriegel als „gespenstige Meisterschaft“ gelobt und u.a. mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, dem Jazzpreis des Südwestfunks und dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet, kann man alles zu seinem „Ding“ machen.

Und dennoch: Als Siggi Loch, der Chef von Lauers Plattenlabel ACT, ihm die Idee vortrug, sich mit Bechet mal einem echten Traditionalisten zu widmet, winkte Christof Lauer zunächst ab: „Vor elf Jahren fragte er mich schon einmal, aber da hatte ich noch keinen Bock darauf.“ Denn mit dem Jahrgang 1897 aus New Orleans hatte sich der Tenorist nie richtig beschäftigt. „Als ich angefangen habe mit dem Sopransaxophon war eher John Coltrane angesagt“, erinnert er sich. „Bechets Ton und sein Vibrato sind eh Geschmacksache. Damit kann ich mich auch jetzt noch nicht wirklich anfreunden. Aber die Stücke, die er geschrieben hat, die waren für die Zeit unglaublich.“

So wirkt Musik auf unsere Körper

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Denn was heute als „klassisch“ gesehen wird, war damals bahnbrechend neu. Bechets viel zitierte Stiloffenheit, seine kreolischen Wurzeln, die europäischen Einflüsse nach seinem Umzug nach Frankreich („Dans Les Rues d’Antibes“) und die Ausflüge in den Maghreb mit „Casbah - Song Of The Medina“ waren ungewöhnlich. So überzeugten Lauer schließlich Arrangements von Rainer Tempel, das Projekt „Petite Fleur“ mit seinem Arbeitgeber, der NDR-Bigband, in Angriff zu nehmen und erfolgreich aufzuführen.

In der Romanfabrik gibt es Bechet „auf kleine Besetzung getrimmt“ (Lauer) - mit Hubert Nuss (Klavier), Ingmar Heller (Kontrabass) und Patrice Héral (Schlagzeug). „Das war nicht so stringent arrangiert, dass jeder Ton da sein muss, wo er sein muss. Man kann das stark variieren“, freut sich Lauer auf die Arbeit im Quartett. „Das funktioniert wunderbar. Und die Musik öffnet sich mir mehr und mehr und verändert sich, was erstaunlich ist.“

Das Christof Lauer Quartett gastiert am 26. Februar in der Frankfurter Romanfabrik

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