Peter Gabriel in der Frankfurter Festhalle

Statische Werkschau

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Peter Gabriel zieht noch immer die Massen an, eine fröhliche Hit-Sause war sein Auftritt in Frankfurts „Gut Stubb“ nicht.

Frankfurt - Peter Gabriel präsentierte in der vollbesetzten Frankfurter Festhalle seinen Achtziger-Albumklassiker „So“ in Gänze und dazu noch manch anderen Hit. Von Christian Riethmüller 

Jedermann tut es. Warum also nicht auch Peter Gabriel? Oder sollte man eher fragen, warum ausgerechnet ein Musiker-Künstler wie Gabriel auf Tour geht, um vor allem ein nun auch schon 28 Jahre altes Album komplett durchzuspielen? Der frühere Genesis-Frontmann stellt auf seiner „Back to Front“-Tournee jedenfalls das Album „So“ aus dem Jahr 1986 in den Mittelpunkt, gewiss ein popmusikalisches Großwerk jenes Jahrzehnts, wenn auch nicht Gabriels spannendste Aufnahme. Hätte er allerdings etwa sein Solodebüt aus dem Jahr 1977 als Programmschwerpunkt gewählt, füllte er vermutlich nicht die großen Säle wie nun die sehr gut besuchte Festhalle in Frankfurt.

Zur fröhlichen Party-Sause, bei der sich Hit an Hit reiht, waren Gabriel und seine alten Wegbegleiter Manu Katché, David Rhodes, Tony Levin und David Sancious aber nicht angetreten, selbst wenn die gelegentlichen Choreographien der in die Jahre gekommenen Musiker an den Storch im Salat denken ließen. Diesen losgelösten Momenten stand die Inszenierung gegenüber, in der Gabriel sein Programm präsentiert. Sie folgt der seit Anfang April auch auf DVD erhältlichen Produktion der Londoner Shows aus dem Jahr 2012. Diese grob in drei Blöcke unterteilbare Inszenierung ist ein visuelles Ereignis, allerdings auch eine etwas statische Angelegenheit, weil sich kein Musiker so recht aus seinem Korsett herausbewegen kann und auch die Reihenfolge der Songs nie den Emotionen im Publikum angepasst werden kann.

„Secret World“ packte Zuhörer richtig

In der Festhalle dauerte es daher schon einige Zeit, bis der Funke von der Bühne springen wollte. Quasi bei Bühnenbeleuchtung hatte Gabriel, der fast alle seine Ansagen in Deutsch vortrug, da schon ein akustisches Intro unter anderem mit „Shock The Monkey“ absolviert und war schon zum elektrifizierten, in kaltes weißes Licht getauchten „Best of“-Abschnitt übergegangen, als das mit einem Zitat des gerade verstorbenen Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez eingeleitete „Secret World“ die Zuhörer erstmals richtig packte. Gabriels Großtat für die Ewigkeit, „Solsbury Hill“, zeigte dann ähnliche Wirkung, wenngleich die von der Band vorgenommene Taktverschiebung nicht die beste Idee für diesen Gassenhauer war.

Eine schöne Version des neuen, für einen Film komponierten Songs „Why Don’t You Show Yourself“ und der Wechsel zu farbigem Licht markierten dann den Übergang zur Präsentation von „So“. „Red Rain“ im roten Licht und mit rotem, an Lavaregen gemahnenden Flirren klang majestätisch, während der Soul-Funk von „Sledgehammer“ leider den Groove vermissen ließ. Das berührende „Don’t Give Up“, bei dem die schwedische Sängerin Jennie Abrahamson Kate Bushs herzerweichenden Gesangspart übernommen hatte, litt gelegentlich unter einer schiefen Melodiefigur, die David Sancious am Keyboard wohl in Gedanken an die Karibik einstreute.

„Mercy Street“, das Gabriel auf dem Rücken liegend sang (und dabei von einer über ihm schwebenden Kamera aufgenommen wurde), zeigte, dass ein gut aufgelegter 64-Jähriger gelegentlich mit seiner Stimme haushalten muss, um bis zum Finale mit „In Your Eyes“ doch noch einmal das Publikum mitzureißen. Mit dem eindrucksvollen „The Tower That Ate People“ und der vom ganzen Saal mitgeschmetterten Befreiungshymne „Biko“ endete ein über zweistündiger Abend, der in Anbetracht des Künstlers Peter Gabriel eher Retrospektive als Konzert genannt werden sollte.

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