Lang Lang begeistert in der Alten Oper

Virtuose von hohen Graden

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Frankfurt - Den Superstar-Status pflegt er kontinuierlich. Auch in der ausverkauften Alten Oper begeisterte Pianist Lang Lang sein Publikum, das dem Tasten-Guru nach spannender Klavier-Kür gleichsam stehend zu Füßen lag. Von Klaus Ackermann

In Werken von hohem Bekanntheitswert der Mozart und Chopin erwies sich Chinas sympathischer Klassik-Entertainer einmal mehr als Exzentriker von Geblüt – und als ein Virtuose von hohen Graden. Zur Begrüßung hebt er die Hände wie ein milder Regent angesichts der ihm huldigenden Untertanen. Doch solch Pathos wirkt bei diesem jungen Mann ganz natürlich, der sich mit eisernem Fleiß in die Weltspitze der Pianisten gespielt hat. Freundlich lächelnd, sich selbst dirigierend, wenn dann mal kurzzeitig eine Hand frei ist. Was das Programm angeht, fackelt er nicht lange, mit Sonaten von Mozart und vier Balladen von Chopin aufwartend, die zu den Bestsellern der Klavier-Literatur zählen, was sicher auch seine Plattenfirma glücklich macht.

Lang, lang ist’s her: Die Sonate Nr. 5 G-Dur KV 283 etwa kennt man noch von der Klavierstunde – und der chinesische Meister führt einprägsam vor, wie sie seiner Meinung nach auf dem Konzertpodium zu klingen hat. „Mozärtlich“ zwar, aber auch in herben dynamischen Kontrasten, selbst ein Rubato ist da drin, Hinweis auf Chopin. Solch romantisierendes Schweifen kennzeichnet zudem die Sonate Nr. 4 Es-Dur, deren Eingangs-Adagio in eine zerklüftete Klang-Landschaft führt, kontrastiert von einem nahezu trivialen Tanzlied. Lang Lang scheint sich hier wie in Trance zu spielen. Das korrespondiert mit dem Andante cantabile der Sonate Nr. 8 a-Moll KV 310, das der Chinese an den Anfang stellt, auf das Eingangs-Maestoso ganz verzichtend. Empfindsamer Gesang an Tasten wird hier zur emotional leidenschaftlichen Klage, in heftigen Oktavgängen und kaum glaublichen Dissonanzen, die Lang Lang besonders akzentuiert, der im beschließenden Presto noch einmal mächtig aufdreht.

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Dann Chopin, dessen vier Balladen immer auch psychische Befindlichkeiten des hochsensiblen Pariser Polen spiegeln. Etwa die Geläufige in g-Moll, empfindsam, aber zudem grandios gesteigert von Lang Lang, der bei rasanten Al-Fresko-Passagen noch einmal richtig Gas gibt. Diese bei Chopin gleichbleibende Dramaturgie macht in der Ballade Nr. 2 aus lieblichem F-Dur ein gewaltiges Donnerwetter, bringt Klang-Glitzer und Revolution in die As-Dur-Pretiose und krönt den sinnlich-melancholischen Tasten-Zauber des f-Moll-Opus mit so grandioser Tasten-Attacke, das selbst politische Würdenträger aus Offenbach völlig aus dem Häuschen sind …

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