Tradition mit Fortschritt verbunden

Frankfurt - Bebop und Hardbop sind die bis heute fundamentale Errungenschaften aus der klassischen Phase der Jazzmoderne. Von Sebastian Hansen

Lang ist’s her, antiquiert muten die Aufnahmen der damaligen Koryphäen bis heute nicht an -– und es besteht eine Anschlussfähigkeit für junge Jazzmusiker bis heute. Die Popmusik hat gerade eine Retrodebatte hinter sich. Angesichts einer bis heute ungebrochenen Beziehung zur Tradition kann man im Jazz darüber bloß lachen.

Tradition und Fortschritt verbinden sich in der Musik des vor gut zehn Jahren von Absolventen des Jazzstudiengangs der Mannheimer Musikhochschule gegründeten Quintetts L14,16, das die Saison der von der Frankfurter Jazzinitiative betreuten Sommerreihe „Jazz im Palmengarten“ eröffnete, in einer idealen Weise. Einen explizit avantgardistischen Anspruch vertritt diese Band, deren Name auf die nach einer Kreuzung zweier Mannheimer Planquadrate benannten Stammkneipe zurückgeht keineswegs - um weit mehr als eine biedere Traditionsverwaltung geht es aber durchaus.

Der Gruppenklang wirkt homogen

Klangatmosphärisch mag man sich angesichts der dichten musikalischen Texturen an den Frankfurter Nachkriegsjazz erinnert fühlen. Die wichtigste Bezugsgröße stellt der Hardbop dar. Dessen Errungenschaften werden nicht kopierend, sondern produktiv in die musikalische Gegenwart transferiert. Der Trompeter und Flügelhornspieler Axel Schlosser, Solotrompeter der hr-Bigband, Steffen Weber am Tenorsaxofon, der Pianist Rainer Böhm, Bassist Arne Huber und der eingesprungene Schlagzeuger Paul Hochstädter, gleichfalls von der hr-Bigband, verkörpern mit ihrer immens fruchtbaren Anwendung des Erbes gleichwohl einen zeitgenössischen Ansatz.

Das Gravitätszentrum ist Rainer Böhm mit seinem gleichermaßen vom Blues wie auch von Spätromantik und Impressionismus beeinflussten Klavierspiel. Es geht in einem für den europäischen Jazz klassischen Sinne um die Verbindung der afroamerikanischen Wurzeln mit der hiesigen Kunstmusik. Immer wieder treten Instrumentalisten solistisch hervor, es gibt aber keine „Begleitung“ im Sinne einer rhythmischen Hintergrundstaffage. Alle Musiker, abgesehen von Hochstädter, steuern Stücke bei – und sie sind durchweg hervorragende Komponisten. Der Gruppenklang wirkt homogen, die Individualität wird dabei nicht überdeckt. Keine Spur einer historisierenden Unverbindlichkeit, alles ist bezwingend.

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