Abgefahrene britische Art

Frankfurt - Hammerhart ist dieser Part. Dass Benjamin Brittens Klavierkonzert zu Unrecht so wenig gespielt wird, wies der schottische Pianist Steven Osborne in der Frankfurter Alten Oper eindrücklich nach. Die abgefahrene britische Art forcierte ein weiterer Engländer. Von Klaus Ackermann

Dirigent Martyn Brabbins gab sein Debüt beim Museumskonzert. Und hielt mit dem Klavierquartett g-Moll von Johannes Brahms in Arnold Schönbergs Version für großes Orchester eine weitere Rarität bereit.

Von Anbeginn stimulierend wirkt der erfahrene Maestro aufs Opern- und Museumsorchester, das schon mit Carl Maria von Webers Ouvertüre zur romantischen Mittelalter-Oper „Euryanthe“ druckvoll zur Sache geht. Festlicher Aufmarsch, geschmeidiger Arien-Anriss, ein Streicher-Adagio in geheimnisvollen Chroma und ritterlicher Bläser-Prunk.

Wie Benjamin Britten, britischer Klassiker der Moderne, der zum Mainstream des 20. Jahrhunderts gern auf ironische Distanz ging. Dass Klaviere Hämmer haben, macht der völlig uneitel auftretende Osborne schon in der trocken abgezogenen Toccata klar, die ähnlichen Virtuosen-Prüfungen Paroli bietet. Auch Franz Liszts Diskant-Glamour scheint in der Kadenz präsent, freilich härter angeschlagen. Ballettnähe atmet der Waltz, dessen elegantes Thema irrlichternd verglüht.

In der revidierten Fassung von 1945 ist der dritte Satz des Klavierkonzerts ein Impromptu mit sieben Variationen, von dem sachlich Stimmen sondierenden Osborne in Ruhe ausgebreitet, der die grotesken, von Holzbläsern und Streichern genüsslich ausgespielten Momente im finalen (Toten-) Marsch bravourös aufmischt. Trotz der vielen virtuosen Gelegenheiten kein Schaumschläger, eher im Sinne von Britten intelligent die Stellschrauben drehend und mit einem Satz aus Prokofjews „Visions fugitives“ die Wogen glättend.

Lieben Sie Brahms? Für Schönberg keine Frage. Dass er ausgerechnet das Klavierquartett g-Moll orchestral bearbeitete, hat seinen Grund: „Es wird immer sehr schlecht gespielt, weil der Pianist desto lauter spielt je besser er ist“, so Schönberg, der die Kammermusik fast unverändert ließ, aber umso schlagkräftiger ihre sinfonische Tauglichkeit nachwies. Ein gedanklich dicht geknüpftes Netzwerk, das der britische Dirigent ohne Zeitdruck durchleuchtet. In komplexen wie in leutseligen Dialogen der Instrumentengruppen, im schier schwelgerischen Cello-Lied, unmerklich in einen Marsch überführt.

Der dominierende Klaviersatz scheint überwiegend den Streichern anvertraut, während deren Part den Holz- (exzellente Klarinette) und Blechbläsern vorbehalten bleibt. Allein die Xylophon-Einsätze und das differenziert eingebrachte üppige Schlagwerk zeigen die Handschrift des Bearbeiters. Und beim finalen Rondo alla Zingarese, keineswegs britisch unterkühlt, sind die Ungarischen Tänze von Brahms sehr nahe. Zweifellos ein Schönberg zum Liebhaben

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