Doppelpack im Park des Liebieghauses

Frankfurter Jazz hat ein Heimspiel

Frankfurt kann zwar schon seit langer Zeit nicht mehr für sich beanspruchen, die deutsche Jazzmetropole zu sein. Die Szene am Main ist aber ausgesprochen rege, und das ist glücklicherweise beileibe nicht nur in Ehren alt gewordenen Recken wie Heinz Sauer zu verdanken.

Eine mit noch jungen Musikern besetzte Band, das Contrast Quartet um den Pianisten Yuri Sych, und eine des mittleren Alters, die Soul Jazz Dynamiters des Gitarristen Martin Lejeune, spielten ein Frankfurter Doppel in der Jazzreihe im Garten des Liebieghauses.

Der Name der Soul Jazz Dynamiters sagt sehr viel über die Musik. Das Quartett bezieht sich auf die Ära des Soul Jazz in den frühen Sechziger Jahren, einer afroamerikanisierten Ausformung des Hardbops. Die Band groovt. An einem differenzierten improvisatorischen Spiel hindert sie das nicht, weshalb sie sich auch von einem blanken Partymuckertum sehr klar abhebt.

Das Klangbild prägt neben Martin Lejeunes Gitarre die von Johannes Bartmes gespielte Hammond B3. Ein gewisser Retrofaktor wird bei diesem so eng mit seiner großen Zeit in den Sechziger und den Siebziger Jahren verbundenen Instrument automatisch mitgeliefert. Doch die Soul Jazz Dynamiters, außer Lejeune und Bartmes der Tenorsaxofonist Peter Back und Holger Nesweda am Schlagzeug, vermögen mit einem außerordentlichen Maß an Frische zu bestechen. Genregrößen wie Cannonball Adderley, Eddie Harris und Les McCann oder auch das Dave Pike Set mit Volker Kriegel schweben als Paten über der Musik.

Auf seine Weise groovt auch das Contrast Quartet um den gerade mal 24 Jahre alten, aus der Ukraine stammenden Pianisten Yuri Sych. Das im vergangenen Jahr mit dem Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt bedachte, von Studenten der Hochschule für Musik gegründete Ensemble ist sich der jazzmusikalischen Tradition bewusst, und es rüttelt auch nicht am alten Strukturmodell: Jeder, neben Yuri Sych sind das Tim Roth, Bass, Martin Standke, Schlagzeug, sowie der kurzfristig für den tags zuvor vom Pferd gestürzten und als Solist vorgesehenen Heinz-Dieter Sauerborn eingesprungene Altsaxofonist Peter Klohmann, kommt reihum mal solistisch zum Zuge.

Die Spielhaltung freilich ist eine freigeistige. Es geht da durchaus nicht um Traditionsverwaltung. Der Grad der formalen Durchgestaltung ist weit über eine bloße Cleverness hinausweisend beachtlich. Das Contrast Quartet ist schon extrem weit. Man spürt aber auch sehr genau, dass da noch mehr möglich ist. Und das hat für eine Band dieser Altersklasse auch seine Richtigkeit.

SEBASTIAN HANSEN

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