Appell für musikalische Bildung

Frankfurter Musikmesse: Kindheit ohne Musik

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Rudolf Schenker, Klaus Meine und James Kottak (von links) von der Band Scorpions gestern bei der Verleihung des Live Entertainment Award (LEA) in Frankfurt.

Frankfurt - Weniger Freizeit wegen Turbo-Abi, weniger Geld für Musikschulen - für Kinder wird es immer schwerer, ein Instrument zu lernen, schimpft der Musikrat. Die Folgen spürt auch der Handel. Und mit ihm die Frankfurter Musikmesse, die heute beginnt.

Mit einem Plädoyer für mehr Musikunterricht ist die Musikmesse in Frankfurt eingeläutet worden. Der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner, nannte es gestern einen „Skandal“ und eine „eitrige Wunde“, wie wenig das reiche Deutschland in die musikalische Bildung seiner Kinder investiere. „Es ist höchste Zeit zu handeln“, sagte Höppner, musikalische Bildung sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Durch die kürzere Gymnasialzeit und Kürzungen bei den Musikschulen werde es immer schwerer, ein Instrument zu lernen, erläuterte Höppner. Musikunterricht an der Schule falle oft aus oder werde fachfremd erteilt. Freie Lehrer für Instrumente verdienten so wenig, dass ein Fachkräftemangel drohe. Der Musikrat forderte Bund, Länder und Gemeinden auf, wesentlich mehr öffentliche Mittel für den Musikunterricht bereitzustellen.

Die Gitarre des japanischen Herstellers ESP soll zwischen 4000 und 5000 Euro kosten.

Der Handel klagte vor Messebeginn über eine rückläufige Nachfrage vor allem bei Instrumenten für Einsteiger. Insgesamt konnte der Musikfachhandel laut Branchenverband „seine Umsätze nur unter großen Anstrengungen stabil halten“. Umsatzbringer seien digitale E-Pianos, akustische Gitarren und Percussion; E-Gitarren und Schlagzeuge würden deutlich weniger nachgefragt. Im Gegensatz zu den Händlern geht es den Herstellern gut - aber das haben sie dem Ausland zu verdanken. Der Bundesverband berichtete von „steigenden Umsätzen und deutlichen Produktionszuwächsen“. Vor allem hochwertige Klaviere und Flügel made in Germany seien „echte Exportschlager in Richtung USA und China“.

Die Lage der Branche spiegelt sich auch auf der Messe wider: 2242 Aussteller aus 57 Ländern präsentieren sich von heute bis Samstag auf der Musikmesse und der kleineren Begleitmesse Prolight+Sound. Das sind etwas weniger als im Vorjahr (2272 Aussteller). Während die Musikmesse schrumpfte, wurde die Prolight+Sound ausgebaut. Denn Entertainment boomt: Der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik rechnet 2014 mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Der Umsatz mit Instrumenten und Musikalien liegt laut Institut für Handelsforschung in Deutschland unter einer Milliarde Euro.

Gestern Abend verfolgten 1300 Gäste die Verleihung der „LEA Awards“ (Live Entertainment Awards) in der Frankfurter Festhalle, Stargäste waren unter anderem die Scorpions, Heino und DJ Bobo. Auch Christina Stürmer und Annett Louisan, Dschungelcamp-Teilnehmer Michael Wendler und die Schauspieler Ben und Meret Becker traten bei der Eröffnungs-Gala auf. Der „Live Entertainment Award“ (LEA) wurde zum neunten Mal vergeben. Veranstalter ist der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv). Über die Preisträger entscheidet eine Jury aus Fachjournalisten. „Die Veranstaltungsbranche hat sich in den letzten Jahren zur tragenden Säule der Musikwirtschaft entwickelt“, sagte bdv-Präsident Jens Michow.

Musikmesse in Frankfurt

Musikmesse in Frankfurt

(dpa)

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