Museumskonzert-Finale in Alter Oper

Franz Schubert walzert zum Saison-Kehraus

Das so genannte deutsche Repertoire ist ihm ein Herzensanliegen. Und dabei setzt Sebastian Weigle, Generalmusikdirekter der Oper Frankfurt, nicht nur auf Allgemeinplätze, sondern liebt das Fundstück.

Beim Saisonfinale der Museumskonzerte in Frankfurts Alter Oper waren es die Sinfonie C-Dur „An die Freunde“ von Hans Pfitzner, knapper in der musikalischen Diktion als Franz Schuberts C-Dur-Sinfonie, deren vielzitierte himmlische Längen Hochgenuss boten. Mittendrin dann ein selten gehörtes Ludwig-Spohr-Opus, das Konzert für Streichquartett (aus Leipzig) und Orchester, sinfonisch fest und solistisch locker geschnürt.

Romantik also in vielen klanglichen Facetten – und schon zum Auftakt mit lokalem Bezug: Pfitzners C-Dur-Sinfonie wurde bei einem Frankfurter Museumskonzert am 11. Oktober 1940 in Anwesenheit des Komponisten uraufgeführt. Eine besondere Motivation für das Museumsorchester, auf Pfitzner mit „Palestrina“ (in Harry Kupfers Inszenierung derzeit an der Oper zu erleben) intensiv eingestimmt.

Alten Freunden hat der Komponist sein kompaktes Opus gewidmet, deren Charakter weitgehend im Dunkel bleibt. Eher werfen die Kriegsjahre einen Schatten auf die Sinfonie – mit Hornmotiven, die von unruhigen Streicherfiguren umspielt werden, mit einem wunderschön geblasenen Englischhorn-Adagio wie eine Erinnerung an bessere Zeiten und mit einem beweglichen Rondo bei stabilem Trompetenton, harmonisch seltsam entrückt, aber mit spröder Kontrapunktik, die das Tor zur Moderne aufzureißen scheint. Bis hin zum effektvollen Finale wird das von Weigle so exemplarisch wie klanglich erlebnisreich dargestellt.

Dass Spohrs Streichquartett-Konzert kaum seinen Weg in die Musiksäle gefunden hat, liegt wahrscheinlich am Aufwand – immerhin müssen vier Solisten bezahlt werden, die sich als solche in Szene setzen, wenn auch die Leipziger bei den virtuosen Arpeggien stellenweise etwas angespannt wirken. Eindrucksvoll ihr sehnsuchtsvoller Liedgesang auf breit fließendem orchestralen Strom, was quartettmäßig in schlichtem Quartsprung endet: Spohr hatte halt Humor. Oder die vom Violoncello angestimmte tiefgründige Ballade, der ein elegantes, solistisch prunkendes Rondo folgt. Den beifälligen Zuspruch belohnt das Leipziger Streichquartett (Stefan Arzberger, Tilman Büning, Ivo Bauer und Matthias Moosdorf) mit dem figürlich wieselflinken ersten Satz aus Schuberts Lerchenquartett, vorausgegangene Irritationen wegwischend.

Spielte bei Spohr das Museumsorchester bis auf klangliche Grundierungen weitgehend den Stichwortgeber, so zeigt es in Schuberts C-Dur-Sinfonie geziemend Größe. Und das trotz aller dramatischen Ballungen in apollinischem Ebenmaß. Getragen vom klanglichen Feingefühl Sebastian Weigles, der seine Kontrabässe einreihig im Hintergrund platziert und sich für dynamische Spitzen unendlich viel Zeit lässt. Alle Instrumentengruppen (Note eins für Hörner, Klarinette und Oboe) scheinen in edlem Wettstreit zu liegen, verbunden durch ein mildes Legato. Da wird gesungen und gewalzert, dass es eine Lust ist. Und selbst Schuberts Nebensätze bekommt das Publikum auf dem Heimweg kaum aus dem Ohr ... KLAUS ACKERMANN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare