Französische Akzente in Frankfurt

Er macht sich nichts aus konzertanter Kleiderordnung, sondern liebt ein leichtes Outfit. Dafür schätzt Jean-Yves Thibaudet den Landsmann Maurice Ravel, dessen Konzert für Klavier und Orchester G-Dur er mit dem von Gilbert Varga befeuerten Frankfurter Museumsorchester erneut in der Alten Oper ausließ.  Von Klaus Ackermann

Französischen Akzent betonten zudem Werke von Camille Saint-Saëns und Pierre Boulez. Dessen „Dérive 1“ in der Version von 1986 für sechs Instrumente hat zwar meditativen Charakter, eignet sich aber nicht für frühen Konzertschlaf. Zu spannend ist, wie Boulez mit den Pfunden wuchert, den Nachnamen des Schweizer Dirigenten Paul Sacher in Töne setzend. Wellenförmig entwickeln sich diese tonal entlegenen Versuche mit vielen Trillern und Verzierungen, die klangliches Schnellwachstum befördern.

Spitzfindig auch der Auftakt des Klavierkonzerts von Ravel mit dem kecken Piccoloflöten-Tänzchen, vom Solisten wie im Rausch untermalt, der den Impressionisten verinnerlicht hat. Das lange Dreivierteltakt-Solo im Adagio assai scheint mit seinen Melodiebögen auf spröder Harmonie Eric Satie zu zitieren. Virtuose Klavierpassagen, vom Solisten klar konturiert und vom Orchester ideal abgefedert, sind eine Selbstverständlichkeit.

Orchestrales Gebrummel

Viel zu wenig werden Camille Saint-Saëns’ sinfonische Dichtungen gespielt, dessen „Le Rouet d’omphale“ mit Leichtigkeit daherkommt – und ironischem Blick auf mythische Welten. Denn kein Geringerer als Herakles, Sklave der Königin von Lydien, muss das sich permanent drehende Spinnrad bedienen. Der grummelt auch orchestral vor sich hin, partiell beruhigt von weichem, kristallklarem Streicherklang in wundersamen Modulationen, vom Museumsorchester delikat ausgespielt.

Dessen Klasse bezeugt ein weiterer Ravel-Bestseller, „Daphnis und Chloe“, Suite Nr. 2 um die spätantike Hirtengeschichte, vom Dirigenten mit viel Sinn für Klangsinnlichkeit entwickelt. Das beginnt mit einer „Morgendämmerung“, zu der Holzbläser wispern und murmeln bis die impressionistische Sonne scheint. Bevor ein ergiebiges Querflöten-Solo in Pans Welt versetzt (die Solistin wird heftig gefeiert) und ein mitreißendes Bacchanal, bei dem Varga das Orchester knallen lässt, die Ballettszenerie effektvoll unterstreicht.

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