Ein Franzose in Wagner-Sphären

Der Beginn des langsamen Satzes erinnert an Richard Wagners „Tristan“-Sphären: Kein Wunder, war der französische Komponist Ernest Chausson (1855-1899) doch erklärter Wagnerianer, der mehrfach bei den Bayreuther Festspielen gastierte. Seine einzige Sinfonie in B-Dur op. 20 bildete in der Alten Oper den gewichtigen Schlusspunkts eines Konzerts mit dem SWR-Sinfonieorchester.

Aber auch ansonsten war das Programm ambitioniert – zuvor hatte der ehemalige Frankfurter Generalmusikdirektor Sylvain Cambreling die „Symphonie Espagnole“ für Violine und Orchester d-Moll op. 21 von Édouard Lalo (1823-1892) geleitet.

Mit ihren suitenartig knappen Sätzen und ihrer höchst eingängigen Melodik kann die „Symphonie Espagnole“ leicht zum Süßlichen tendieren. Der Solist des Abends, der Geiger Renaud Capuçon, wirkte dem jedoch bestmöglich entgegen, mit einer hoch filigranen Gestaltung der virtuosen Effekte in den Rahmensätzen, ohne zu viel Vibrato im liedhaften, langsamen Satz.

Das spanische Kolorit des Werks ist übrigens dem einst berühmten Violin-Virtuosen Pablo de Sarasate gewidmet; ähnlich wie Chaussons Sinfonie ist es das einzige Orchesterwerk des Komponisten, das immerhin noch vereinzelt im Konzertsaal zu hören ist. Als populären Auftakt hingegen hatte Cambreling Maurice Ravels Klavierstück „Alborada del Gracioso“ in der Orchestrierung des Komponisten mit dem SWR-Sinfonieorchester so mitreißend wie rhythmisch präzise in den Raum gestellt.

Schade, dass solche ambitionierten Programme nicht allzu üppig gefüllte Publikumsreihen hervorrufen, die zudem nach der Pause noch ein wenig lichter geworden waren. Dabei ist Chaussons 1890 komponierte Sinfonie B-Dur – neun Jahre später sollte er mit 44 Jahren bei einem Fahrradunfall ums Leben kommen – bei aller Wagner-Nähe von eigener Raffinesse. So ist die Instrumentierung höchst geschickt und farbig, wurde vom SWR-Sinfonieorchester ideal ausgelotet. Überhaupt war die Auseinandersetzung mit dem Werk und seiner so anspruchsvollen wie abwechslungsreichen Harmonik höchst sorgfältig geraten. Aber das ist man von Dirigent Cambreling natürlich noch aus seiner Frankfurter Zeit gewohnt. AXEL ZIBULSKI

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare