Günter Lauer bei Jazz im Palmengarten

Freiraum für Improvisation

Frankfurt - Ein Konzert in den Koordinaten des klassischen Jazzmoderne: Auf den Errungenschaften von Charles Mingus, dem Ahnherrn einer Emanzipation des Basses, baut Günter Lenz eine eigenständige Position als einer der wichtigsten Vertreter seines Instruments im europäischen Jazz auf. Von Sebastian Hansen

Als Mitglied des Quintetts von Albert Mangelsdorff, zugleich dem hr-Jazzensemble von seiner Gründung vor fünfzig Jahren bis heute angehörend, zählt Lenz zum Jazzadel aus der mythologischen Zeit der Nachkriegsjahre in Frankfurt; zudem ist er ein Komponist ersten Ranges, neben unzähligen Stücken für das hr-Jazzensemble hat er unter anderem auch viel für die NDR-Bigband geschrieben. .

75 Jahre alt ist Günter Lenz in der vorigen Woche geworden, sein zum sechsköpfigen Birthday-Kollektiv erweitertes Trio präsentierte sich in der Frankfurter Sommerreihe Jazz im Palmengarten als deutsch-französisch besetztes All-Star-Ensemble; reihum wurden Kompositionen beigesteuert. In der Bläserlinie trafen sich der vollmundige Ton von Wilson de Oliveira am Tenor- und Sopransaxofon, die flüssige Melodik des Tuba- und Serpentspielers Michel Godard, dem Großmeister des mehrstimmigen Spiels mit Überblastechnik, sowie die schneidend scharfe, kraftvoll-aggressive Phrasierung von Herbert Joos an Trompete und Flügelhorn. Sie beflügelten sich wechselseitig im formbewussten Mit-und Gegeneinander.

Pianist Patrick Bebelaar knüpft einesteils an die Spätromantik an, zugleich spielt er antreibend perkussiv; die sprichwörtliche Pranke vermag er differenziert über den bloßen Effekt hinauszutreiben. Etwas neben der Band stand den ganzen Abend über der Schlagzeuger Patrice Héral. In den besseren Momenten hat er sie vital angetrieben. Dem Anschein nach muss es ihm wohl entfallen sein, dass er keine zwei Wochen vorher im Trio von Christof Lauer bei Jazz im Museum in Frankfurt gespielt hat, andernfalls hätte er wohl schwerlich das gleiche zirzensische mit Rap infiltrierte Schlagzeugsolo samt Loop-Schleife ein weiteres Mal vorgetragen.

Durch die Bank weg wird Jazzkomposition hier im Sinne einer prägnanten melodisch-motivischen Vorgabe mit klar strukturierten Texturen verstanden - sie erschließt den Raum für eine improvisatorische Anknüpfung der Instrumentalisten. Darin ist Günter Lenz so groß wie als präsenter, sich aber keineswegs über die Maßen in den Vordergrund spielender drängender instrumentaler Gruppendenker.

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