Freundin und sexy Biest

Sarah Connor steht im nachtblauen Abendkleid neben dem Flügel. Darauf thront ein achtarmiger Kerzenleuchter. Im Hintergrund eröffnet eine Großleinwand den Blick auf weites Meer. Mit bewegender Intensität gibt sich die Sängerin der Ballade „Skin To Skin“ hin. Ein magischer Moment, zweifellos kitschig, aber Gänsehaut pur. Das Publikum scheint den Atem anzuhalten.

Balladen sind die Stärke der 28-Jährigen aus Delmenhorst. Das wird beim Auftakt-Konzert der „Sexy As Hell“-Tournee in der Frankfurter Jahrhunderthalle nicht nur in diesem Augenblick deutlich, sondern auch beim aktuellen „Still Crazy For You“ und noch einmal am Ende mit „From Sarah With Love“, dem wohl bekanntesten Stück, mit dem ihr 2001 der Durchbruch gelang.

Knapp zwei Stunden steht die seit neuestem kurzhaarige Blondine auf der Bühne und liefert neben durchweg starken Balladen gut produzierte Popmusik mit mehr oder weniger großem Wiedererkennungswert. Stücke des aktuellen sechsten Albums „Sexy as Hell“ wechseln mit bisherigen Hits.

Dank der großartigen sechsköpfigen Begleitband nebst dreifach besetztem Backgroundchor bekommen aalglatte Hitparadenstürmer wie „Music Is The Key“ oder „From Zero To Hero“ eine erfreulich rockige Note. „Bounce“ von 2003 beweist sich nach wie vor als gelungene Dance-Nummer. Mitreißend ist die Interpretation von „Son Of A Preacherman“.

Sich selbst präsentiert Sarah Connor in einem Dutzend unterschiedlicher Kostüme als eine Mischung aus bester Freundin („Ihr seid so süß“, „Ich liebe Euch“) und sexy Biest, das sich beckenschwingend von mehreren Tänzern gleichzeitig umschwärmen lässt oder sich lasziv auf einer Chaiselongue räkelt. Stößt sie im einen Moment Männer kess zu Boden, beugt sie sich im nächsten zu den Fans in der ersten Reihe herunter, um sich zu erkundigen, ob ihr Make-up verlaufen sei. Nichts dagegen, dass diese Frau viele Facetten hat, aber innerhalb einer Show will das alles nicht so recht zusammenpassen.

Dass die eigenen Kinder und die Familie (Sarah Connor hat sieben Geschwister!) das wichtigste in ihrem Leben sind, wurde nicht nur in der Reality-TV-Show „Sarah & Marc in Love“ breit getreten, sondern nach der Trennung von Ehemann Marc Terenzi im November 2008 von der Sängerin öffentlich immer wieder betont. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Connor- (eigentlich Lewe-) Clan bei einer Live-Show nicht fehlen darf. Schwester Lulu feiert im Duett mit Sarah nicht nur ihren ersten großen öffentlichen Auftritt, sondern noch dazu ihren 17. Geburtstag. Geschwister und Freunde der Familie schleppen eine Torte herein. Das Publikum muss „Happy Birthday“ trällern. Später wird ein Handy angereicht, angeblich ist Sohn Taylor am Apparat, um Mami ein Schlaflied abzubitten. Ein Wunsch, der mit „I’ll Kiss It Away“ prompt erfüllt wird. Ein bisschen zu viel der inszenierten Rührseligkeit.

Tosenden Beifall wird der zweifachen Mutter zuteil, als sie sagt, was ohnehin jeder im Saal weiß: „Ich bin jetzt Single“. Der Jubel versetzt Connor in Erstaunen: „Ich weiß nicht, welche Reaktionen ich erwartet habe, diese jedenfalls nicht“. Konkrete Äußerungen zu einer neuen Partnerschaft bleibt sie den Fans jedoch bei aller Liebe schuldig.

ANKE STEINFADT

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