Frühklassische Orchester-Parade

Frankfurt - Dass sie wissbegierig ist, kann man hören. Zeigen doch Konzerte der Jungen Deutschen Philharmonie die Handschrift ihres jeweiligen Dirigenten. Von Klaus Ackermann

Zum „Auftakt“ in der Alten Oper war das Ivor Bolton, Chef des Mozarteum-Orchesters Salzburg und prädestiniert für Musik der Frühklassik, deren Frische ebenso beeindruckte wie die instrumentale Geläufigkeit der jungen Musiker.

Schon Haydns Sechste D-Dur, „Le Matin“, ist ein Einstieg nach Maß. Vibratolose Akkorde auf leeren Streichersaiten – die Sonne geht in voller Pracht über dem Schloss der Esterhazys auf, wo Haydn wirkte. Glitzerklare Stimmverläufe und ein intensives Miteinander sorgen für frühe Hochstimmung. Und es gibt viel zu staunen, etwa über die geheimnisvollen Akkorde des Adagio, die in eine Art Tanzlied münden, bei dem Violine und Violoncello die Bälle einander zuspielen. Rhythmisch federnd und mit dynamischen Pointen darf jeder einmal ran. Vor allem die Querflöte, beim Allegro in virtuoser Zwitscherlaune, was im Finale so gut gelingt, dass der Satz als zweite Zugabe dient.

„Fest der Steine“

Dass Georg Philipp Telemann (1681-1767) auch in Frankfurt viele Jahre gewirkt hat, daran erinnert die Suite für zwei Hörner, Fagott, Streicher und Basso continuo F-Dur, bei der zwei schwierig zu spielende historische Waldhörner in den Mittelpunkt rücken. In Boltons detailbesessener Deutung ein unterhaltsamer Ausritt, bei dem die Hornisten sich bravourös steigern – ganz selten ein verrutschter Ton, wie er unvermeidlich ist.

Mit „Don Juan ou le Festin de Pierre“, dem ersten Handlungsballett Christoph Willibald Glucks (1714-1778), wird das galante Zeitalter angepeilt. In 31 fein artikulierten Tanzstücken, die auch als Oboenlied und mit milder Kastagnettenbegleitung so locker und elegant vorbeirauschen, dass der Zuhörer das Mitzählen vergisst. Das „Fest der Steine“ spielt auf den „steinernen“ Komtur an, der Don Juan zur Hölle fahren lässt. Auch bei Gluck garniert von harten dynamischen Kontrasten und schauerlichen Streicher-Tremoli, die Bolton und seine Jung-Philharmoniker augenzwinkernd servieren. Wie den Satz aus der g-Moll-Sinfonie Antonio Rosettis – „i“-Tüpfelchen einer frühklassischen Orchesterparade.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Oliver Weber

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