Fundstücke des Barock

Seligenstadt - Ein Ensemble aus Traversflöte, Laute und Viola da Gamba ist heute ungewohnt. In der Barockmusik war es jedoch nicht unüblich, auch wenn die Originalliteratur für diese Besetzung nicht gerade üppig ist. Von Eva Schumann

Das Convivium Musicum Gelsenkirchen überraschte bei den Seligenstädter Klosterkonzerten mit reizvollen Funden aus der Zeit Bachs und Telemanns. Das 1989 gegründete Ensemble war vertreten durch die Flötistin Ute Bardelmeier und den Lautenisten Ingo Negwer, seit 1999 Leiter der Musikschule Seligenstadt-Hainburg-Mainhausen. Gambist Ulrich Schumacher war durch einen Unfall verhindert. Seine Münsteraner Kollegin Gisela Uhlen-Tuyala sprang ein.

Negwers vogtländisches Instrument war trotz der opulenten Ausstattung mit 24 Saiten eine zart klingende Partnerin der sanften Traversflöte. Während die Viola da Gamba für ein kräftiges Bassfundament sorgte, trat die Laute in unterschiedlichen Funktionen auf. In der empfindsamen F-Dur-Sonate von Anna Bon di Venezia gesellte sie sich zum Continuo. Die Komponistin wirkte am Bayreuther Musenhof der Markgräfin Wilhelmine.

Konzertant, wenn auch zart klingend, präsentierte sich die Laute in den Concerti op. 4, Nr. 3 und 5, von Adam Falckenhagen. Der Sachse, den es als Lautenlehrer der Markgräfin ebenfalls nach Bayreuth verschlug, nahm den Modetanz Polonaise auf, und auch seine derben Menuettsätze klangen drollig nach Dorfschenke. Mit der Flöte wetteiferte die Laute auch im dreisätzigen Concerto Nr. 1 des Theorbisten Ernst Gottlieb Baron. Ingo Negwer spielte die Sätze Allemande, Courante und Gigue aus der Suite BWV 995, der authentischen Spielbarkeit wegen in a-Moll statt dem üblichen g-Moll. Das vorzüglich harmonierende Ensemble beendete sein originelles Konzert mit einer C-Dur-Sonata des am Würzburger Schönbornhof wirkenden Komponisten Giovanni Platti. Das Publikum im Edith-Stein-Saal erklatschte sich jedoch noch eine raffinierte Polonaise von Telemann.

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