„Fußball ist unser Leben“

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Shakira sang zur Eröffnung in Soweto den offiziellen WM-Song „Waka Waka“.

„Gute Freunde kann niemand trennen“, säuselte Franz Beckenbauer 1966 ins Mikrofon und eroberte die Herzen der Schwiegermütter deutscher Fußballfans. Von Niels Britsch

Neben den offiziellen Songs der FIFA – von denen bisher nur 1990 „Un’estate italiana“ von Gianna Nannini und Edoardo Bennato überzeugte – erobern alle vier Jahre mehr oder weniger gute deutsche Weltmeisterschafts-Lieder den heimischen Musikmarkt. Nach Beckenbauers Solo-Gesangskünsten folgte 1974 ein Nationalmannschafts-Hit: Wieder trällerte Kaiser Franz, diesmal mit den Kollegen; es entstand der Klassiker „Fußball ist unser Leben“ (auch als „König-Fußball-Lied“ bekannt). 1978 sang Udo Jürgens mit den DFB-Kickern „Buenos dias Argentina“. Für den Titelkampf 1982 trat Michael Schanze mit dem deutschen Team für das Lied „Olé España“ ans Mikrofon.

„Mexico mi amor“ hieß 1986 der gemeinsame Titel von Nationalelf und Peter Alexander. Bis heute ist vielen Fußballfans von diesem Turnier jedoch ein ganz anderer Hit in Erinnerung geblieben, der auch aktuell oft noch in den Stadien des Landes gesungen wird: „Mexico“ von den Böhsen Onkelz.

Udo Jürgens versuchte sich 1990 ein zweites Mal und sang mit dem späteren Weltmeisterteam „Wir sind schon auf dem Brenner“ – doch trotz des Titelgewinns war auch das kein großer Erfolg. Zum World Cup in den USA 1994 folgte das letzte musikalische Experiment einer DFB-Truppe, als sie mit den Village People „Far Away In America“ sang.

1998 entstand ohne Beteiligung von Nationalspielern der (erfolglose) Song „Running with a dream“. Seit 1994 haben die Nationalkicker die Fußballfans mit ihren gesanglichen Künsten verschont – zu Recht, denn bis auf die „Guten Freunde“ und „König Fußball“ haben deutsche WM-Teilnehmer keine Hits gelandet.

Im Netz kursieren musikalische Liebeserklärungen an die Nationalmannschaft

Zumindest ein DFB-Spieler hat die Tradition wieder aufgegriffen und rechtzeitig zum Turnier in Südafrika mit dem Rapper Jan Delay ein Lied aufgenommen. „Ich bin jung geboren in den 80ern, und ich hol den Pokal in Südafrika“, reimt Mesut Özil in dem Hip-Hop-Track.

Spätestens seit 2006 hat die Musikindustrie die Weltmeisterschaften als lukratives Geschäft wieder entdeckt. Doch mit Portalen wie Youtube kursieren auch Unmengen selbstkomponierter Liebeserklärungen an das deutsche Team im Netz. Sportfreunde Stiller („54, 74, 90, 2006“) und Oliver Pocher („Schwarz und Weiß“) sorgten beim Turnier im eigenen Land für kollektives Gegröle auf den Fanmeilen. Die Sportfreunde haben ihren Hit für diese WM kurzerhand umgedichtet („54, 74, 90, 2010“). Oliver Pocher versucht mit einem neuen Lied („Wir gehen zurück, um Anlauf zu nehmen“), auf den musikalischen WM-Zug aufzuspringen. Und Ghetto-Rapper Bushido widmet das Lied „Fackeln im Wind“ ebenfalls dem Fußball und dem DFB-Team.

Mit „Lass die Finger von der Vuvuzela“ gibt es bereits einen Song über die nervenden Tröten. Hoffnung auf den Titel fordern die Interpreten des Liedes „Gimme hope, Joachim, for the World-Pokal“ von Bundestrainer Jogi Löw. Eurovisions-Siegerin Lena hat ebenfalls Nachahmer gefunden: Die Gruppe Uwu Lena Schlandrut singt zur „Satellite“-Melodie „Schland o Schland“.

Auch auf Mallorca treibt die Weltmeisterschaft jede Menge gesangliche Blüten, wenn musikalische Ballermann-Proleten wie Mickey Krause oder Ikke Hüftgold zum Mikrofon greifen.

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