Gabentisch reich gedeckt

Seine gelegentliche Unterforderung parierte das Radio Sinfonie Orchester Prag mit wahrer Präzisionswut: Mozarts, Edward Griegs und natürlich Antonin Dvoraks Edelseller hatten den klanglichen Gabentisch bei den traditionellen Konzerten von ADAC und Subaru reich gedeckt und der Alten Oper Frankfurt zweimal einen ausverkauften Großen Saal beschert. Von Klaus Ackermann

Mit dem tschechischen Gastdirigenten Leos Svarovsky stand zudem ein unermüdlicher Ankurbler am Dirigierpult, der auf engstem Podest wieder einmal den wilden Mann spielte. Zügige Tempi fürs locker leichte, schnellfingrige Figurenwerk – die Ouvertüre zu Mozarts „Figaro“ führt mitten ins Schlamassel der Intrigen einer denkwürdigen Opern-Hochzeit. Da fällt zwar so manche Phrasierung etwas eckiger aus als gewohnt, doch das gute Streicher-Bläser-Verhältnis der Prager stimmt schnell wieder milde.

Sanft und pianistisch sittsam geht der Prager Jan Simon Edvard Griegs berühmtes Klavierkonzert a-Moll an, eine Perle der Tastenkunst mit schwerblütigem nordischem Melos. Vom Vorspieler mit Sinn für die lyrischen Momente gestaltet, vor allem im seelenvollen Adagio.

Triangel-Einsatz nicht vergessen

Dagegen hätte man sich den Eingangssatz etwas dynamischer vorstellen können. Auch die im Finale tänzerisch anklingende Volksmusik verträgt durchaus mehr virtuose Sprengkraft, zu der selbst das perfekt begleitende Orchester den Solisten nicht verführen kann, dessen Bläser samt Schlagwerk in den Slawischen Tänzen Nr. 1, 2, 8, 9 und 10 in ihrem Element sind; eingeschworen von Svarovsky, der selbst den Triangel-Einsatz nicht vergisst. An sinfonische Schwerkost gewohnt, sind diese rhythmisch verschachtelten und harmonisch angefetteten Ohrwürmer die reinste Kür, allesamt vorweggenommene Zugaben, als die dann Nummer 15 herhalten muss.

Doch vorher macht wieder Maurice Ravels „Bolero“ Furore – mit minimalistischem Aufwand und größtmöglichem Effekt, bei dem die vielen Soloinstrumente bis hin zum erlösenden Dur unerhörten Sog entwickeln. Dann hat man mit dem eigenwilligen Taktgeber Svarovsky seinen Frieden geschlossen...

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