Gala der geläufigen Gurgeln

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Große Gesangskunst war zu erleben, ob im Duett ...

Ob die schneidigen Rhythmen der Nabucco-Ouvertüre die Wolken vertrieben hatten? Jedenfalls blieb die italienische Opernnacht bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain von feuchten Störungen verschont – und wurde zum wahrhaft romantischen Erlebnis mit Vogelgezwitscher unter blauem Himmel. Von Eva Schumann

Vollendeten Genuss bescherte ein internationales Sängerensemble, das Rosinen aus dem Belcanto-Repertoire pickte. Auf geschmackvolle Weise unterhaltsam wartete Organisator Rainer Zagovec als Moderator mit Informationen auf.

Sopranistin Sojin Moon, an der Berliner Komischen Oper engagiert, war an Stelle der angekündigten Olga Polyakova zu hören. Die Koreanerin überraschte mit ihrer Vielseitigkeit. Als Norina aus Donizettis „Don Pasquale“ gab sie ein kesses Biest, flehte mit herzerweichender Innigkeit Puccinis „babbino caro“ Gianni Schicchi an und gestaltete als Verdis Kameliendame Violetta eine packende Szene. Sie vereinte warmes Timbre, Legato, mühelose Registerwechsel und virtuose Technik mit reifer Gestaltung und zündender Schauspielkunst.

Publikumsliebling war auch die Slowakin Jana Kurucova, die mit Charme in der Hosenrolle des kecken und leidenschaftlichen Romeo aus Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ auftrat. Die 26-Jährige beherrschte die Koloraturmezzo-Partie glänzend und bewies als Rossinis Aschenputtel mit präzisen Koloraturen eine „geläufige Gurgel“. Sie verband Virtuosität mit Wärme, Fülle und Dramatik. Sorgfältig dynamisch gestaltend und harmonisch mischten beide Sängerinnen ihre Stimmen in Bellinis Duett Norma/Adalgisa.

... oder solistisch gemeinsam mit dem Orchester.

Zum grandiosen Freundschafts-Auftritt trafen sich der italienische Tenor Gustavo Casanova und der koreanische Bariton Tae-Joong Yang als Don Carlos und Marquis Posa. Casanova hatte zuvor düster den sterbenden Edgardo aus „Lucia di Lammermoor“ beschworen, in der Kanzone des herzoglichen Verführers aus „Rigoletto“ seinem Namen Ehre gemacht. Als dieser umwarb er mit Schmelz die „bella figlia dell’amore“ Maddalena, von der Mezzosopranistin mit klangvollem Staccato-Gekicher in die Schranken gewiesen. Mit der Sopranistin als verzweifelter Gilda und Yang als wütendem Rigoletto bildeten sie ein famoses Quartett.

Der Tenor erntete mit der Arie des Enzo aus Ponchiellis „La Gioconda“ und mit Prinz Kalafs Puccini-Reißer „Nessun dorma“ viel Beifall. Yangs beweglicher, schlanker, kraftvoller Bariton gefiel in der Arie „Alzati“ aus Verdis „Maskenball“. Die Faktotum-Kavatine aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ war einer der Höhepunkte – der junge Koreaner verfügt über sängerische und darstellerische Qualitäten eines Buffo. Die wusste er auch in der Zugabe, dem Duett Figaro/Rosina, hinreißend einzusetzen.

Unter Leitung von Stefan Ottersbach sorgten die Frankfurter Sinfoniker, ein Ensemble aus Mitgliedern großer Orchester der Region, für zuverlässige Begleitung und Umrahmung. Die Kammerorchesterbesetzung tat der Wirkung keinen Abbruch und begünstigte die Transparenz. Beifallsstürme erzwangen nach der Zugabe das Trinklied aus Verdis „La Traviata“.

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