Ganz viel Lalala am Main

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Wangen-Durchschütteln war Teil der Gesangsaufwärmung beim Kampagnenstart zum Deutschen Chorfest 2012 in Frankfurt.

„Du bist hier nicht der Meisterrapper“, ermahnt der Junge in der roten Adidasjacke seinen blonden Mitschüler. Mehrmals. Denn statt die lustigen Gesangsübungen mit „Dudu und Dada“ mitzuträllern, die der Mann vorn auf der Bühne am Römerberg am Mittwochvormittag vormacht, tanzt er lieber rum. Von Kathrin Rosendorff

Die anderen oder zumindest die Mehrheit der 2000 Frankfurter Grundschüler machen aber freudig mit: Sie schwingen die Arme nach oben, kreiseln die Schultern nach hinten und lassen dabei komische Geräusche aus ihren Mündern. Dann singen sie richtig schön. Die japanischen Touristen sind begeistert, filmen los und schnappen sich gleich noch zwei Chorkinder fürs Fotoalbum zu Hause. Auch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth kann nicht anders als mitzusingen.

Es ist der Kampagnenstart zum Deutschen Chorfest 2012. „Frankfurt ist ganz Chor!“ heißt es, wird veranstaltet vom Deutschen Chorverband und geht vier Tage lang, und zwar vom 7. bis zum 10. Juni. Mehr als 400 Chöre mit insgesamt 20 000 Sängern werden dafür nach Frankfurt reisen und unter anderem in der Festhalle, in der Alten Oper und in allen Kirchen der Stadt Konzerte geben. Insgesamt rechnet die Stadt mit mehr als 100.000 Menschen an den vier Chortagen, die 600 bis 800 Konzerte besuchen können. Aber auch die mehr als 100 Frankfurter Chöre sind Teil der Veranstaltung.

Alle Stile sind an den Chortagen vertreten

Alle Stile sind an den Chortagen vertreten: Klassisch geistliche Chormusik, Jazz, Pop, World, Renaissance, Barock, HipHop und Experimentelles. Gleich am ersten Tag kommen die Wise Guys, die bekannte A-cappella-Band, und singen mit 2000 Kindern auf dem Römerberg.

Die trällernden Grundschüler vom gestrigen Tag sind Teil von „Primacanta: Jedem Kind eine Stimme geben“. An dem Frankfurter Modellprojekt nehmen 68 Grundschulen teil. Es geht darum, allen Kindern das Singen beizubringen, sie konzentrierter, artikulierter, selbstbewusster zu machen und ihr Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Das ist eine gemeinsame Initiative der Crespo Foundation und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Kooperation mit der Musikschule Frankfurt. OB Roth denkt darüber nach, ein ähnliches Konzept für Kindergartenkinder einzuführen. Zum Chorfest werden jedenfalls mehr als 5000 der Primacanta-Grundschulstimmen mit dabei sein.

„Chorfest auch Teil der Integration“

Das Deutsche Chorfest gab es in dieser Form bisher erst einmal, und zwar 2008 in Bremen. Bremen ist die alte Heimat der Oberbürgermeisterin Roth. Und der Präsident des Deutschen Chorverbands und ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf lebt da immer noch und ist zum Kampagnenstart nach Frankfurt gekommen. Scherf und Roth kennen sich schon seit der Jugend, und gemeinsam schwärmen sie von den schönen Stimmen der „bunten Kinder“, die auf dem Römerberg gesungen haben.

Schließlich sei das Chorfest auch Teil der Integration, meint Roth. 850.000 Euro gibt die Stadt Frankfurt zum Chorfest dazu, oder, wie es Frau Roth sagt: „Aus Banknoten machen wir Musiknoten.“ Insgesamt kostet das Chorfest knapp 2,7 Millionen Euro. 100.000 Euro kommen aus dem Bundeshaushalt, 100 000 von Chormitgliedern, 20.000 zahlen die Teilnehmer (50 Euro pro Tag). „Für die restlichen 500.000 Euro suchen wir noch Sponsoren“, berichtet der Geschäftsführer des Deutschen Chorverbands, Moritz Puschke. Und betont: „Der überwiegende Teil der Konzerte wird umsonst sein.“

Am Eröffnungstag gibt es mit Bundespräsident Christian Wulff und mehr als 10.000 Choristen ein Mitsingkonzert in der Festhalle. Am letzten Tag von „Frankfurt ist ganz Chor!“ ist ein großes Freilicht-Abschlussfest am Mainufer geplant. Derzeit ist Geschäftsführer Puschke dabei, die Rhein-Main-Region einzubeziehen. „Mit dem Kulturdezernenten in Offenbach habe ich schon gesprochen.“ Vielleicht könnte es in der Stadt ein Vorab-Konzert geben. Konkretes später. Schließlich sind noch fast zwei Jahre Zeit.

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