Geglückte Überraschung

Offenbach - Tschaikowskis Nussknacker-Suite, die zu Weihnachten gehört wie die Plätzchen, eröffnete als charmante Delikatesse die Weihnachts-Lounge im Offenbacher Capitol. Von Eva Schumann

Der junge Dirigent Johannes Klumpp spornte die Neue Philharmonie Frankfurt mit suggestiver Gestik und tänzerischem Schwung zu einer anmutigen, beredten Interpretation an. Von der zierlichen Ouvertüre über die Tänze der kleinen Zauberwesen bis zum elegant vorbeirauschenden Walzer war das ein Genuss.

Erwartbar war auch der Winter aus Vivaldis Jahreszeiten-Zyklus. Dennoch glückte eine Überraschung: Frank Heckels Fassung für Violine und Großes Orchester leuchtet die Farben von Vivaldis Programmmusik stärker aus und verdeutlicht bildhafte Elemente, wobei er auch Heavy-Metal-Effekte nicht scheut. Blechbläser untermalen mit schrägen Tönen wirkungsvoll das Knirschen des Eises und das Zittern vor Frost, man hört Schneestürme brausen. Auch Schlagzeug mischt kräftig mit. Im Mittelsatz imaginiert die Celesta winterliche Klänge, und Holzbläser stimmen ein in den Gesang der Violine. Den Solopart meisterte technisch virtuos und mit schönem Ton Johanna Schier, die bei den übrigen Werken das Orchester als Konzertmeisterin führte.

Vier Weihnachtslieder aus op. 8

Auch vier Weihnachtslieder aus op. 8 von Peter Cornelius wurden in neuem Gewand präsentiert. Marco Jovic, Komponist des „Kaiserleikreisel-Walzers“, hat für die Philharmonie eine Orchesterversion geschaffen. Die Lieder von Christbaum und Christkind, von Simeon und den drei Königen aus Morgenland interpretierten ansprechend die Mezzosopranistin Anna Haase, die Sopranistin Silke Evers, der Tenor Reto Raphael Rosin und der Bariton Franz-Peter Huber. Den Einzug der Könige lässt Cornelius vom Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ begleiten, den er dem Klavier anvertraut. Jovic übertrug ihn dem Chor. Mit gebotener Zurückhaltung gesungen von Franz-Peter Hubers Fuldaer Chören am Dom.

Ein stattliches Vokalensemble aus Domchor, Jugend-Kathedralchor Fulda und Kammerchor der Capella Cathedralis bescherte schließlich das größte Überraschungsgeschenk. Mit der Missa Coronationalis von Liszt erwies man dem Jubilar Reverenz, der am 22. Oktober vor 200 Jahren zur Welt kam. Das Werk hatte zwar auf den ersten Blick nichts mit Weihnachten zu tun. Doch gewidmet war es der Krönung Elisabeths alias Sissi, und so knüpfte Moderator Ralph Ph. Ziegler Bezüge zu den Sissi-Filmen im Feiertags-Fernsehen.

Der Chor erwies sich durch Huber trefflich präpariert und beeindruckte mit Präzision und Wohlklang, den die vielen jungen Stimmen, neben Mädchen- auch Knabensoprane, vorteilhaft beeinflussten. Franz-Liszt-Preisträger Klumpp sorgte für ein lebendiges, transparentes Miteinander von Chor, Solistenquartett und Orchester.

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