Es geht nur um die Party

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Seit seinem 16. Lebensjahr rappt Mac Miller mit eigener Crew. Er wirkt trotzdem wie ein Fan, der sich auf die Bühne verirrt hat.

Offenbach - Ist das nun der neue Superstar des Rap? Manche Anzeichen sprechen dafür. Im rasendem Tempo eroberte der Rapper Mac Miller die US-Popcharts. Von Stefan Michalzik

Als der junge weiße, aus Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania stammende Mac Miller im November vergangenen Jahres sein Debütalbum „Blue Slide Park“ veröffentlichte, erreichte es blitzgeschwind die Spitzenposition der US-Popcharts, was immer das angesichts der massiv gesunkenen Umsatzzahlen in der Musikindustrie noch aussagen mag. Und nun, an diesem Abend im Offenbacher Capitol, formieren sich vor dem Auftritt Sprechchöre, wie wenn es einer der ganz Großen wäre, der erwartet wird.

Der Star des Abends, eigentlich heißt er Malcolm McCormick, ist ein schmächtiger Kerl in Bermudashorts mit Rundmütze, die Arme sind mit Tätowierungen bedeckt. Eine unauffällige Type im Grunde genommen, als Teil des Publikums würde er nicht hervorstechen. Von der ersten Sekunde an ist klar: Hier geht es um nichts als die Party. Ein HipHop-Konzert von jener Sorte, die so durchritualisiert ist wie die christliche Liturgie. In Worten und Gesten animiert Mac Miller, klassisch flankiert von einem DJ und einem Co-Rapper, immer wieder zum rhythmischen Schwenken der Arme. Und alle machen mit.

Hautfarbe spielt keine Rolle

„Blue Slide Park“ ist ganz gewiss kein epochales Rap-Album. Um solide Arbeit handelt es sich, nicht mehr. Mit einer variationsreichen musikalischen Unterlage und einer Produktion auf Standardniveau. Es geht durchaus gut ins Ohr. In der Umsetzung des Konzerts gehen einige Feinheiten, etwa solche der schleppend funky rhythmisierten Balladen, im basslastigen Klangbild unter.

Die Hautfarbe sollte man nicht gegen Mac Miller ausspielen, was nun nicht heißt, dass sie keine Rolle spielen würde. Er vertritt keinen explizit weißen HipHop-Entwurf, wie es einst die Beastie Boys mit ihrer Verschneidung von schwarzem Rap und weißem Metal getan haben. Er eifert vielmehr mit Unterstützung einer schwarzen Crew dem afroamerikanischen Vorbild nach. Das ist nicht verwerflich, festzuhalten ist aber, dass es sich bei Mac Miller um keinen sonderlich guten, sondern allenfalls um einen mittelprächtigen Rapper handelt. Er rappt zwar flink, sehr geschmeidig ist seine Stimme aber nicht.

Schon mit 16 Jahren hatte Mac Miller seine erste eigene Crew, aber er vermittelt noch immer den Eindruck eines Fans, der auf die Bühne geraten ist. Offenkundig ist das Bestreben eine Erwartung zu erfüllen: So hat HipHop zu sein, so hat eine ordentliche Show auszusehen. Mac Miller sollte sich mehr trauen und Eigenständigkeit entwickeln. Dann spielt am Ende auch die Hautfarbe keine Rolle mehr.

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