Chorkonzert mit „La cappella“ Zellhausen

Geistliche Musik zum Ausklang

Seligenstadt - Der Weihnachtsfestkreis endet im katholischen Kirchenkalender am Sonntag nach Epiphanias. Von Eva Schumann

Diesen Festtag, an dem der Taufe Jesu gedacht wird, wählte der Kammerchor „la cappella“ im Liederkranz Zellhausen, um mit vier- bis sechsstimmiger Chormusik Weihnachten ausklingen zu lassen.

In St. Marien überraschte Chorleiter Ralf Emge mit einem aufführungspraktischen Einfall, der das Klangideal der venezianischen Renaissance geschickt in die moderne Kirche übertrug. Das Ensemble war bei Michael Praetorius’ geistlichem Konzert „Puer natus in Bethlehem“ von Michael Praetorius rundum im Kirchenschiff verteilt und erzielte damit einen Vollklang, der das Publikum glanzvoll umhüllte. Es zeugte von der Qualität des Chors, dass die Kommunikation mit dem Dirigenten, untereinander und im Wechsel mit den Solisten Jutta Bonifer-Old und Christian Fröhlich tadellos funktionierte.

Bei der Aufführung der beiden sechsstimmigen Motetten „Ein Kind ist uns geboren“ SWV 384 und „Das ist je gewisslich wahr“ SWV 388 von Heinrich Schütz fand sich der Chor sinnvoller Weise in konventioneller Aufstellung zusammen. Denn in diesen Stücken dominiert der strenge Kontrapunkt, dessen Studium nach Aussage des Komponisten „eine harte Nuss“ darstellt. Das ist sie ebenso für die Sänger. „La cappella“ meisterte die kunstvolle und den Wortsinn ausdeutende Polyphonie mit Präzision und Transparenz. Den strahlenden Klang bestimmten überwiegend junge Sopran- und Altstimmen, doch die Männerstimmen bildeten trotz geringerer Anzahl ein so kräftiges wie wohlklingendes Fundament. Der famose Favoritchor war jeweils mit Helga Jäger und Claudia Wasch (Sopran), Katharina Gambushe (Alt), Gary Prott (Tenor), Roman Zöller (Bariton) und Fröhlich (Bass) besetzt. Bei schwierigen kontrapunktischen Passagen in Bachs Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227 schlug sich der Chor tapfer.

Das beliebte Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ hat Praetorius mehrfach bearbeitet. Mit seinen zehn Strophen im Wechsel zwischen vierstimmigem Chor und Tutti einzelner Stimmen, Soli, zwei- bis dreistimmigen Ensembles und Doppelchor bildete es das prachtvolle Finale. Claudia Wasch und Katharina Gambushe waren sängerisch und mit Blockflöten zu hören.

Für sichere Basso-continuo-Begleitung sorgten Jens Lindemann am Orgelpositiv und Roswitha Bruggaier an Violoncello und Gambe, die auch in der D-Dur-Sonate BuxWV 268 von Buxtehude Virtuosität und Einfühlungsvermögen bewies.

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