Mit gelöster Spaßbremse

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Ohne größere Anstrengung liefern The BossHoss die perfekte Musik zur ausgelassenen Partystimmung.

Frankfurt - Mit seinem Alter ego Dick Brave machte es Popsänger Sasha 2004 erfolgreich vor: Als kanadische Kunstfigur in urwüchsiger Rockabilly-Kluft gelang dem smarten Interpreten die bislang erfolgreichste Phase seiner Karriere. Von Ferdinand Rathke

Was einmal funktioniert, müsste doch auch ein zweites Mal klappen, dachten sich wenig später sieben Berliner mit verblüffend ähnlichem Konzept und hakten nicht minder forsch nach. Angeblich aus purem Spaß gründeten sie eine Formation, die auf den populären Dicken des TV-Serien-Klassikers Bonanza anspielt und in fünf Jahren fünf außerordentlich gut nachgefragte Alben veröffentlichte.

Die gemütliche Bühnendekoration mit Stehlampen und Barhockern kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass vom ersten Moment an in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper mächtig der Bär steppt. Lustige Verkleidung wie in der närrischen Jahreszeit ist geradezu Pflicht. Auch vor der Bühne bevorzugt ein nicht geringer Teil fesche Cowboyhüte. Ganz Wagemutige stoßen gar in unregelmäßigen Abständen ein kernig gejodeltes „Yeehaw!“ aus.

Spektakel an der Grenze zur Parodie

Wer sich jetzt wehmütig in jene Ära zurückwünscht, als die falschen Cowboys von Truck Stop flehentlich darum baten endlich Dave Dudley im Radio hören zu dürfen und auch noch stoisch behaupteten, der wilde, wilde Westen finge gleich hinter Hamburg an, bekommt von den Enkeln im Geist mehr als zwei Stunden lang einen Querschnitt durchs Repertoire auf Auge und Ohr gedrückt. Erstmals offeriert das Septett seine rustikalen Arrangements zwischen Country und Rockabilly in üppiger Orchesterbegleitung mit Bläsern und Streichern.

Ohne größere Anstrengung liefern The BossHoss die perfekte Musik zur ausgelassenen Partystimmung. Auch wenn die wenigen Fremdinterpretationen wie Tony Joe Whites „Polk Salad Annie“, Plastic Bertrands „Ça Plane Pour Moi“ oder Dionne Warwicks „Say A Little Prayer“ die Songs Marke Eigenbau qualitativ um Längen schlagen.

Vor allem die Frontmänner Boss Burns und Hoss Power, bürgerlich Alec Völkl und Sascha Vollmer, legen sich ins Zeug beim Spektakel, das an der Grenze zur Parodie gratwandert. Erstaunlicherweise zeigt das Konzept keinerlei Abnutzungserscheinungen. Selbst wenn Völkl verbissen durchs Megafon blökt und schamlos die Hüften kreisen lässt. Übermütig gibt das Duo den kaum verständlichen Kaugummi-Yankee mit nie ausgehender Kippe im Mundwinkel. Zahllosen Nikotinsüchtigen muss das angesichts des geltenden Rauchverbots wie subversiver Ungehorsam vorkommen.

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