Gemein und perfekt

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Mit ihrem vierten Album „Rated R“ zelebrierte Rihanna den Start zur Deutschland-Tour.

Um 21.16 Uhr ging am Freitag in der Frankfurter Festhalle die Welt unter. Ein 22-jähriges Mädchen überlebte: Rihanna. Zwischen einem pinkfarbenen Panzer, breakdancenden Roboterwesen und grauen Atompilzen war sie Protagonistin der Sciencefiction-Show „Last Girl On Earth“. Damit startete das Pop-Phänomen aus Barbados seine Frühlingstournee durch Deutschland. Von Kathrin Rosendorff und Inga Radel

Mit Hits wie „SOS“ warf Produzent Jay-Z sie auf den Markt und schuf fast einen Klon seiner Frau Beyoncé. Seitdem hat sich Rihanna zweimal neu erfunden. Mit „Umbrella“ und „Ella-Ella“- Juchzern kamen 2007 der Durchbruch und die Haare ab bis zum Kinn. Das Insel-Mädchen wandelte sich mit sexy Bodys, coolen Hüten und freien Beinen zur Stil-Ikone.

In der ausverkauften Festhalle zeigte sie ihr neues Alter Ego: Die blondgesträhnten Haare burschikos kurz, links halb abrasiert, ein überlanger Pony punkig-lasziv im Auge. Die zig Kostümchen sind abgedrehter, aber immer noch extrem sexy – ein weißer Cat-Suit, als hätte sie ihren Körper nur mit Klebeband umwickelt, dazu eine eckige Brille. An extravagante Lady-Gaga-Mode erinnerte das schwarz-weiße Minikleid mit abstehendem Rock und abstehenden Schulterklappen. Im Interview nannte sie Grace Jones und Cruella De Vil aus „101 Dalmatiner“ ihre Stil-Ikonen: „Sie sind beide so gemein, aber eben auch perfekt.“

Bilder vom Tourauftakt in Frankfurt

Rihanna zum Tourauftakt in Frankfurt

Rihanna hat ihr Plastikpuppen-Image abgelegt, wirkt härter, aber auch verletzlich, den Blick im melancholischen Dauermodus. Das Publikum hat sofort die Fotos von Februar 2009 vor Augen, als ihr Ex-Freund und Kollege Chris Brown sie krankenhausreif schlug und Bilder davon um die Welt gingen. Heute appelliert sie an junge Frauen, sich so etwas nicht gefallen zu lassen. Auf dem Album „Rated R“, ihrem vierten und bisher düstersten, arbeitet sie die Beziehung auf. „I’m terrified, but I’m not leaving“ heißt es in „Russian Roulette“: „Ich fürchte mich, aber ich gehe nicht.“

12.000 Fans wollten auch nicht gehen, darunter euphorisierte Teens mit Rihanna-Haarschnitt, Jungs wie Mädels. Die dreifache Grammy-Gewinnerin überraschte mit einer Version des Oasis-Klassikers „Wonderwall“. Das 90-minütige Konzert war perfekt durchkomponiert, ihre Stimme beeindruckte. Ex-Bro’Sis-Sängerin Indira reagierte fasziniert: „Rihanna ist einfach super diszipliniert und professionell.“

Weniger diszipliniert zeigte sich Rihanna bei der Aftershow-Party, für die es ein extra Taschengeld gab. Erst gegen 2.15 Uhr, drei Stunden später als angekündigt, tauchte sie im King Kamehameha Club auf. Mit gesenktem Kopf unter Army-Eskimo-Mütze rauschte sie an den Fans vorbei. Im einsehbaren VIP-Bereich deutete sie Tanzschritte an und machte Smalltalk. Als der DJ „Umbrella“ auflegte, setzte sich Rihanna jedoch hin.

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