Alte Herren und junge Neuerer

Gemeinsame Sache fürs Gastland

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Gitarrenklänge und brasilianische Rhythmen erklangen beim "Tropicália"-Konzert im Palmengarten.

Frankfurt - Es sind die Altmeister, die an diesem Abend unübertroffen bleiben – misslicherweise sind sie bloß als Gäste aufgetreten. Von Stefan Michalzik

Zwei Generationen trafen sich im Zuge der Konzerte, mit denen der Buchmessengast Brasilien einen Nachschlag auf die Saison der sommerlichen Konzerte im Frankfurter Palmengarten gegeben hat, unter dem Signum Tropicália gestern und heute.

Es war der Militärputsch von 1964, der den Anstoß für das Aufkommen der Musica Popular Brasileira (MPB) gegeben hatte, einer popkulturellen Gegenbewegung, die staatlichen Repressionen ausgesetzt war. Caetano Veloso nahm 1967 das Stück „Tropicália“ auf, im Jahr darauf taten sich Veloso, Gilberto Gil und andere für ein Album gleichen Titels zusammen, eine Art „Sgt. Pepper“ der brasilianischen Popmusik, mit eingängigen Melodien, psychedelischen Sounds und orchestralen Arrangements – ein Signal des Aufbruchs.

Ein Quantum von der Experimentierlaune der Altvorderen würde man dem in der Rolle des Erneuerers präsentierten Lucas Santtana wünschen. Politisch motivierte Texte trägt auch er vor, die Sonnenbrillenträger seines Trios bringen neben Gitarren ein elektronisches Instrumentarium samt Laptop in Anwendung – in zweifelhafter Weise: zu unspezifisch meistens. Da werden Bläser schnöde simuliert, der Hybridschlagzeuger Bruno Buarque kombiniert leibhaftige Becken mit einem Drumcomputer, den er oft nicht über Rhythmus und Klang eines herkömmlichen Schlagzeugs hinaustreibt. Hinter den Errungenschaften eines Brazilectro bleibt das weit zurück.

Manch hübsche Songs führt Lucas Santtana allerdings schon im Repertoire, zwischen afrobrasilianischen Rhythmen und Reggae samt Dub-Effekten bewegt sich das. Gitarrist Caetano Malta spielt nicht ganz ungekonnt bisweilen die Rolle eines Soundalikes des einem breiten Publikum vor allem aus der Band von Tom Waits bekannten Marc Ribot. Arg kunterbunt sortiert und krude wirkt die Musik aber, zu schlaff ist manche Nummer. So flüchtig die Auftritte der alten Herren gewesen sein mögen – sie dokumentierten ein Kaliber von anderer Art. Der Singer/Songwriter und Schriftsteller Jorge Mautner durchsetzte seinen Auftritt mit Brecht/Weill, „Freude schöner Götterfunken“ und anderem in deutschsprachigen Einlagen von mäßiger Originalität, bestach ansonsten durch ein, nennen wir es: klassisches Format, desgleichen Jards Macalé mit seinem kehlig gegerbten Bariton. Im Hintergrund machten nun auch Lucas Santtana und seine Combo eine manierliche Figur.

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