Hyperion Trio in Seligenstadt

Ein Genre im Wandel

Haydn war sich ganz sicher, Gott werde ihm verzeihen, wenn er ihm fröhlich diene. Auch das Konzert des Hyperion-Trios in der Seligenstädter Einhard-Basilika begann mit fröhlicher Musik. Das G-Dur-Klaviertrio Hob.XV:41 stammt aus Haydns früher Schaffenszeit. Von Eva Schumann

Seine galanten spielerischen Reize, Anmut und empfindsamen Elemente vermittelte das junge Ensemble auf vergnügliche Weise. Der weiche Klang des Bösendorfer-Flügels passte wunderbar, auch wenn die Akustik der Basilika für ihn nicht günstig war.

Wie in den meisten Haydnschen Klaviertrios fiel dem Pianisten die Hauptrolle zu. Hagen Schwarzrock spielte sie brillant und transparent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Trefflich harmonierten mit ihm in Tongebung und Temperament der Geiger Oliver Kipp und die Cellistin Katharina Troe – ein lebendiges Musizieren aus einem Guss und mit sichtlicher Spielfreude.

Den Ton des Violoncellos konnte man schon hier bewundern, obwohl es in dieser Hausmusik noch eine bescheidene Rolle spielt. Anders bei Beethovens Klaviertrio op. 70,1 aus dem Jahre 1808. Es zeigt, wie sich das Genre weiterentwickelt hat. Die Partner sind gleichberechtigt; das ist sofort zu erkennen, wenn das Violoncello nach dem Unisono-Beginn mit dem lyrischen Hauptthema anführt, dem sich die anderen Instrumente anschließen. Die Cellistin hatte ebenso wie der Geiger ausgiebig Gelegenheit zu herrlicher Kantilene. Voll Spannung war auch das Largo, dem das Werk seinen Namen „Geistertrio“ verdankt.

Mit Mendelssohns c-Moll-Trio op. 66 wurde ein weiterer Jubilar des Jahres gewürdigt. Das dem Geiger Louis Spohr gewidmete Werk brachte eine weitere Steigerung der Virtuosität, Klangfülle und Dramatik. Das Hyperion-Trio meisterte flexibel und souverän die Kontraste zwischen virtuoser Brillanz, klassischer Kontrapunktik und Liedhaftigkeit, zwischen leidenschaftlichem Vorwärtsdrängen und innigem Gesang. Beeindruckend war auch hier die ausgewogene und musikantische Klangregie des Ensembles.

Mit Bravos und Beifall gefeiert, schlugen die Gäste den Bogen zurück zu Haydn mit dem Andante cantabile aus dem B-Dur-Trio Hob.XV: 20.

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