Roland Kaiser in der Alten Oper Frankfurt

Ein Gentleman singt „Humm“

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Roland Kaiser

Frankfurt - Es gibt deutsche Schlagerstars, denen ist nach einem Karriereknick das Bierzelt in der Provinz beschieden. Nicht Roland Kaiser. Ihn führt die aktuelle Tournee in den großen Saal der Frankfurter Alten Oper. Der ist zwar nicht ausverkauft, aber sehr gut gefüllt. Von Anke Steinfadt

Am Anfang ist die Stimme. „Du bist ein Niemand, wenn dich niemand liebt...“ Dann tritt der Sänger hinter rotem Samt hervor, im dunklen Nadelstreifenanzug mit Krawatte, direkt in einen Lichtstrahl, der ihn fortan umgibt. Als der Vorhang fällt, kommt eine zwölfköpfige Band zum Vorschein. Alles ist in sattes Blau getaucht. Laserstrahlen bilden Lichtfächer im Bühnennebel. Ufo-artige Scheinwerfergebilde und eine Leinwand im Hintergrund sorgen für weitere Effekte. Rein optisch hat das nichts mit muffigem Schlagerkitsch zu tun. Auch musikalisch zeigen sich die alten Hits modernisiert.

Applaus gibt es reichlich. Der Männeranteil im Publikum ist viel höher als erwartet; der Altersdurchschnitt hingegen niedriger. Roland Kaiser ist seit 38 Jahren im Geschäft. Im vergangenen Jahr hat er seinen 60. Geburtstag gefeiert. Offensichtlich konnte er immer wieder neue Fans für sich gewinnen. Er ist ein höflicher Gastgeber, macht Witze, meist auf Kosten der Herren. Dabei wirken seine Gesten manchmal unsicher, die Bewegungen häufig ungelenk. Die Stimme, zwar unverkennbar, hat etwas an Volumen verloren.

Doch das Wichtigste: Er ist wieder da. Zehn Jahre litt er unter schwerer Krankheit. 2010 musste er ein Konzert abbrechen. Im selben Jahr wurde ihm eine Lunge transplantiert. „Affären“ ist seitdem die erste mehrwöchige Live-Tournee. „Affären“ heißt auch das aktuelle Album, das Aufnahmen alter Hits vereint und mit dem Filmorchester Babelsberg eingespielt wurde. Das Titel gebende, einzig neue Stück der CD, präsentiert er jedoch nicht. Dafür fast drei Dutzend Lieder aus dem riesigen Repertoire von den 70er Jahren bis heute – inklusive „Dich zu lieben“, „Manchmal möchte ich schon mit dir“, „Haut an Haut“ und „Joana“.

Modern arrangiert zeigen sich auch weniger populäre Stücke wie „Veronica“ oder „Sag ihm, dass ich dich liebe“, die als zeitgemäße Kompositionen durchgehen. Ganz Neues gibt es wenig: Das launige „Friedensangebot (Lisa-Marie)“ kommt gut an, ebenso wie „Egoist“ aus dem vor kurzem ausgestrahlten „Tatort“, in dem Roland Kaiser eine Gastrolle als Schlagerstar „Roman König“ hatte. Die Folge aus Münster, der Heimatstadt des Sängers, konnte die höchsten Einschaltquoten seit 20 Jahren verzeichnen und überrundete sogar Til Schweigers Debüt beim Hamburger „Tatort“.

Von Zeit zu Zeit erscheint Kaisers Abbild großformatig auf der Leinwand. Seine Wangen sind voller geworden, die charakteristischen Furchen um den Mund tiefer. Im zweiten Teil des zweistündigen Programms trägt er statt Nadelstreifen einen Anzug in mittelblau-metallic. Und dann kommt endlich auch der Song, auf den die Fans warten: „Santa Maria“ von 1980. „Humm/na/na“ steht an der Wand und wie ein Auszug aus dem Duden zur Erklärung: „eines der bedeutendsten Textelemente des deutschen Sängers Roland Kaiser.“

Humor hat er. Ein paar Mal werden ihm Blumen gereicht. Den Habitus des Verführers trägt er nicht mehr vor sich her. Das wäre wenig glaubwürdig. Gegen Ende des Abends entspannt er sich zunehmend.Kaiser ist ein gereifter Gentleman, in dessen Gesellschaft man sich gerne begibt. Passend die Reaktionen des Publikums: Begeistert, dankbar, aber eher verhalten als ekstatisch.

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