George Michael mit großem Orchester in der Festhalle

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Cooler Crooner: George Michael zeigt in Frankfurt kaum eine Regung.

Frankfurt - Gelöst, fast erleichtert wirkt George Michael, als er zum Finale erst mit vierköpfigem Chor ein Gospel, dann mit Band im Akustik-Set ein kurzes Hit-Medley aus „Amazing“, „I’m Your Man“ und „Freedom“ zum Besten gibt. Von Ferdinand Rathke

Wäre da bloß nicht der von liebevollen Fan-Händen auf die Bühne geworfene Plüschteddybär, über den der 48 Jahre alte Sänger und Komponist stolpert, den er erstaunt aufhebt, aber wenige Sekunden später ohne erkennbare Emotion in die jubelnde Menge zurückwirft. Für die zart besaitete Künstlerseele symbolisiert das Stofftier eine Vergangenheit, die nicht auszulöschen ist.

Mit weltweiten Verkäufen über die Hundertmillionen-Grenze hinaus sowie tadellosem künstlerischen Ruf als begnadeter Vokalist und Songautor dürfte George Michael dennoch Lichtjahre entfernt von einem wie auch immer geartetem Karriere-Tief sein. Als einer der wenigen noch amtierenden Superstars der anscheinend niemals enden wollenden achtziger Jahre genießt der Brite trotz aller Skandale, juristischen Streitereien mit der Plattenfirma oder dem vierwöchigen Gefängnisaufenthalt wegen einer Drogen-Autofahrt einen guten Ruf.

Spektakel namens „Symphonica“

Sicherlich alles Gründe, die in jenem Spektakel namens „Symphonica“ in 3D-Animation münden, das in Begleitung eines über vierzigköpfigen Orchesters seit Monaten weltweit Termine absolviert. In Frankfurt braucht es schon die riesige Festhalle, um der Ticketnachfrage gerecht zu werden. Doch ob sich das Publikum, das hohe Eintrittspreise entrichtet hat, im Traum hätte vorstellen können, wie der Abend sich gestaltet, darf bezweifelt werden. Im unauffälligen Anzug zu kurz geschnittenen Haaren, graumeliertem Herrenbart und Sonnenbrille inszeniert George Michael sich als eleganter, gleichwohl statischer Bar-Jazz-Interpret in einem üppigen Programm, das von einer zwanzigminütigen Pause unterbrochen wird.

Zwar startet der Londoner vor minutenlang verschlossenem Vorhang mit autobiografischem „Through“, doch das Repertoire wird, bis auf wenige Ausnahmen wie „A Different Corner“, „Praying For Time“ oder das seinem Ex-Liebhaber Kenny Goss gewidmete „Where I Hope You Are“, ausschließlich Coverversionen beinhalten.

Geduldsprobe für auf Partystimmung geeichte Fans

Dass allein wäre für das Publikum ja noch erträglich. Ein ähnliches Konzept verfolgte George Michael ja 1999 mit seinem Album „Songs From The Last Century“. Doch dass Standards wie Elton Johns „Idol“, New Orders „True Faith“ oder Terence Trent D’Arbys „Let Her Down Easy“ in meditativer Zeitlupe abrollen, die wohl auf Partystimmung geeichte Fans als extreme Geduldsprobe empfinden müssen, sind wohl nur die wenigsten gefasst.

Große Kunst hatte es ja schon immer schwer Akzeptanz zu finden. In makelloser Weltklasse interpretiert der erst kürzlich mit neuem Lover, Promifriseur Fadi Fawaz, in Venedig beim Joint-Rauchen abgelichtete Michael Jazz-Klassiker wie Bing Crosbys „Brother, Can You Spare Me A Dime“ oder „My Baby Just Cares For Me“ und „Feeling Good“, beides von Nina Simone. Croont und swingt sich schwermütig durch Dimitri Tiomkins melodramatisches „Wild Is The Wind“, Amy Winehouses „Love Is A Losing Game“ oder „Roxanne“ von The Police. Ein ganz besonderes Ereignis ohne Beispiel.

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