Gepflegte Kunst des Einlullens

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Beim Konzert im Offenbacher Hafen 2 sind die Hidden Cameras als Septett aufgetreten; in ähnlichen Stärken hat man sie auch in den vergangenen Jahren auf den hiesigen Bühnen erleben können.

Offenbach - Bis zu dreißig Menschen stehen bei den Hidden Cameras auf der Bühne, darunter viele männliche Go-Go-Tänzer. Das aus dem kanadischen Toronto stammende Musikerkollektiv dehnt sich von Zeit zu Zeit für einzelne Auftritte in derartige Dimensionen aus. Von Stefan Michalzik

Die Popmusik braucht solche Mythen. Die Wirklichkeit der Konzertreisen ist eine andere. Beim Konzert im Offenbacher Hafen 2 sind die Hidden Cameras als Septett aufgetreten; in ähnlichen Stärken hat man sie auch in den vergangenen Jahren auf den hiesigen Bühnen erleben können. Kollektiv? Joel Gibb ist, bei allem großkommunardischen Geist, den die Hidden Cameras verströmen, das Zentrum. Der Sänger und Gitarrist schreibt alle Songs.

Die Hidden Cameras vermögen es, mit der bezwingenden Verve von Tanzliedern, die ihren folkigen Kern sprengen, aber ohne den Druck der Rockmusik auskommen, ihr Publikum von der ersten Sekunde an für sich zu gewinnen. Der Sound ist von einer opulenten Dichte. Violine, Glockenspiel und Trompete setzen sie über das Standardinstrumentarium hinaus ein. Der „Gay Church Folk“, wie Joel Gibb seine Musik selbst kategorisiert, ist harmoniesüchtig und melodieverliebt. Die Melodien sind süßlich, aber nie klebrig.

Man darf getrost von Tralala-Musik sprechen – und das ist keine Schmähung. Sondern vielmehr ein Kompliment für die gepflegte Kunst des Einlullens. Derlei will gekonnt sein, und nur wenige können es derart gut und unaufdringlich. Die Songs aus „Origin: Orphan“, dem im vergangenen Jahr erschienenen Album, klingen ein wenig flauschiger als die älteren Stücke. Auch preist Joel Gibb nicht mehr ganz so freimütig die Liebe unter Männern. Die Hidden Cameras klingen immer mehr oder weniger gleich. Und gleich gut.

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