Gereift, aber nicht gealtert

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Temperament und lässige Eleganz stellte Udo Jürgens beim Auftritt in der Frankfurter Festhalle eindrucksvoll unter Beweis.

Dass der Mann eine absolute Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Sängern und Entertainern ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Von Dirk Iding

Deshalb werden, wenn immer über Udo Jürgens gesprochen oder geschrieben wird, zunehmend Vergleiche bemüht zu internationalen Show-Legenden wie Frank Sinatra, Charles Aznavour oder Paul Anka. Und dass der Österreicher diese Vergleiche gewiss nicht zu scheuen braucht, bewies er in der ausverkauften Festhalle eindrucksvoll. Seine aktuelle Tournee „Einfach ich“ knüpfte mühelos an umjubelte Auftritte der vergangenen Jahrzehnte in Frankfurt an.

Dieser Mann scheint einfach nicht zu altern. Da mag mancher Mittvierziger oder -fünfziger im Publikum vor Neid blass geworden sein angesichts des Temperaments und der lässigen Eleganz des 75-Jährigen. Seine Stimme, sie ist noch immer kraftvoll und präzise. Ein 100-prozentiger Profi, der trotz all seiner Klassiker wie „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“ oder „Ein ehrenwertes Haus“, die allein ausreichen würden, einen Konzertabend zu bestreiten, immer wieder Neues zu bieten hat. So dominierten im ersten Teil des Konzerts Lieder aus seinem längst mit Goldstatus versehenen aktuellen Album „Einfach ich“ – mal getragene, mal popig-rockige Melodien mit Texten, die immer eine gewisse Tiefe haben, egal ob es darin um zerbrochene Beziehungen geht oder um unsere vom Klimawandel bedrohte Erde.

Jürgens überrascht mit „Fehlbilanz“

Aber Udo Jürgens erlaubt sich in seinem Programm glücklicherweise auch den Rückgriff auf schon lange nicht mehr gehörte Werke: Etwa sein Lied „Fehlbilanz“ vom Anfang der 1990er Jahre, das angesichts von Finanz- und Wirtschaftskrise aktueller denn je erscheint. Oder das Gänsehaut erzeugende „Die Schwalben fliegen hoch“ aus den Achtzigern, fulminant begleitet vom Pepe Lienhard Orchester, mit dem Udo sein Publikum in die Pause entließ.

Einen weiteren Glanzpunkt setzte Udo Jürgens, als er sein Lied „Nur ein Lächeln“ mit dem Charlie-Chaplin-Klassiker „Smile“, hervorragend vorgetragen von Sänger Stevie Woods, zu einem völlig neuen Hörerlebnis verwob. Und natürlich kam gegen Ende des mehr als zweistündigen Auftritts auch die Partystimmung nicht zu kurz: Spätestens bei „Ich war noch niemals in New York“, das Jürgens und die Gesangssolisten des Pepe Lienhard Orchesters mit Hymnen an die Weltmetropole wie „Downtown“ oder „Nights On Broadway“ anreicherte, gab es kein Halten mehr, da sang und klatschte die ganze Festhalle mit. Udo Jürgens hatte wieder geschafft, was er selbst einmal als Ziel seiner Konzerte beschrieb: Nämlich auch den letzten Zuhörer im obersten Rang unter dem Dach mit seiner Musik zu erreichen.

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