Gerhahers lyrische Sternstunden

Die Weltklasse des Liedgesangs – nicht weniger konnte man jetzt in der Oper Frankfurt erleben. Dort gab der Bariton Christian Gerhaher einen Liederabend, konzentrierte sich ganz auf Robert Schumann und bot zwei lyrische Sternstunden, die auch in der hochkarätigen Reihe ihresgleichen suchen. Von Axel Zibulski

Bereits die Ausschnitte aus Schumanns „Myrten“ op. 25 sang Gerhaher so textklar, dass man das Programmheft beiseite legen konnte. Seine Interpretation des Zyklus’ „Dichterliebe“ op. 48 auf Texte Heinrich Heines setzte Maßstäbe: Wie leicht er Höhen einfing, wie locker er die Stimme auf dem Atem sitzen ließ, wie bruchlos er die Register überblendete – das hatte große Klasse.

Dabei konnte er sich auf einen kongenialen Begleiter verlassen: Pianist Gerold Huber folgte dem Bariton an Intensität auf den Fuß, ließ etwa das Klaviernachspiel zu den „alten, bösen Liedern“, letzte Nummer der „Dichterliebe“, herrlich verträumt, versponnen klingen. Mehr als die knappe Zugabe wäre nach dem intensiven zweiten Konzertteil zu viel gewesen: Wenn man sich den dreiteiligen Zyklus „Der arme Peter“ op. 53/3, schlicht und naiv vom Zuschnitt, so souverän und abgeklärt vornimmt, dann bedarf es weiterer musikalischer Kommentare zu Schumann eigentlich nicht. Gerhaher tat dies trotzdem, mit einem packend-gestauchten Soldatenlied (op. 40/3), mit einer Auswahl aus den „Gesängen des Harfners“ op. 98a, die hohe Kunst der natürlichen Legato-Mittellage, des äußerst wortverständlichen Singens, der Natürlichkeit selbst im Einbezug der Höhen verdeutlichend. Stimmenfreunde und Ausdrucksliebhaber müssten sich also einig sein: Welch ein grandioser Lied-Abend!

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