Geschichten aus dem Leben

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Ein Mann und seine Gitarre: Milow im Capitol

Bescheidenheit spricht aus dem treuherzigen Augenaufschlag, als der 28-jährige belgische Musiker Milow zwischen zwei Songs im aus den Nähten platzenden Offenbacher Capitol von seinem bevorstehenden Arbeitstag in Köln berichtet. Von Ferdinand Rathke

Dort steht er erst vor der RTL-Kamera, um am Abend ein Gastspiel im ausverkauften E-Werk zu geben, auf das man wegen großer Nachfrage ausweichen musste.

Schnell gehandelt wurde auch, als absehbar war, dass die Frankfurter Batschkapp zu klein für den Durchstarter 2009 ist. Mit dem entgeisterten Gesichtsausdruck eines Lottogewinners verkündet Milow, dass ein Zusatztermin für Februar 2010 in der Hugenottenhalle anberaumt ist. Dann haben die nicht wenigen Zuschauer eine Chance, einen Blick auf ihren Favoriten zu werfen, die während des 90 Minuten langen Auftritts mit erheblichen Sichtbehinderungen zurecht kommen müssen und es sich teils in den Gängen auf dem Boden bequem machten.

Wenigstens in einwandfreier Akustik hören können sie die sanften Botschaften von Milow. Eine altbekannte Mischung, die nicht nur geschickt Rock und Pop mit Folk und Country mischt, sondern auch den liebreizenden Gesang von Nina Babet mit ihrem Chef verbindet. Nicht anspruchsvoll, aber mit kleinen Geschichten aus dem Leben, eingängigen Refrains und akustischen Arrangements, die dafür sorgen, dass selbst komponierte Songs wie „Dreamers And Rene gades“, „The Ride“ und „You Don’t Know“, aber auch die balladeske Version von 50 Cents „Ayo Technology“ im deutschen Formatradio laufen. Eine stürmische Karriere war Milow nach der Teilnahme beim TV-Wettbewerb „Humo’s Rock Rally“ 2006 beschieden. Seitdem ist er in Belgien und den Niederlanden ein Star.

Wie international ausbaufähig die Laufbahn des Sympathieträgers aus Löwen, der zauberhaft charmante Plaudereien mit seinen ihm treu ergebenen Fans führt, letztlich sein wird, muss die Zukunft zeigen. Seine Fühler nach Amerika ausgestreckt hat er jedenfalls mit seinem dritten Album, das eigentlich ein Zusammenschnitt aus den ersten Werken „The Bigger Picture“ und „Coming Of Age“ für den hiesigen Markt und Übersee ist.

Ob er tatsächlich den USA gewachsen sein wird, jener Weltmacht nicht nur des professionellen Schaugeschäfts, die Idole wie Bruce Springsteen, Bob Dylan und Billy Joel hervorbrachte, denen Milow ziemlich unverholen nacheifert, wenn er etwa Springsteens „Thunder Road“ interpretiert, aber auch Zitate von Dylan, Joel und The Byrds in seinen Songs verwendet: Das bleibt abzuwarten.

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