Bamberger Symphoniker in der Alten Oper

Geschichten aus dem Wienerwald

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Alte Oper in Frankfurt

Frankfurt - Mehr als nur Ersatz für den erkrankten Gustavo Dudamel war der junge Israeli Lahav Shani beim Konzert der Bamberger Symphoniker in der Alten Oper.  Von Klaus Ackermann

Zudem erwies er sich in J. S. Bachs Konzert für Klavier und Streichorchester d-Moll als exzellenter Solist, vom Flügel aus Impulse versendend. Sein Frankfurter Dirigier-Debüt krönte er mit der erlebnisreich gestalteten Sinfonie Nr. 1 Gustav Mahlers.

Wie eine Toccata mutet Bachs d-Moll-Opus mit seinen erregenden, in einem leidenschaftlichen Dialog verarbeiteten Themen an. In Feinabstimmung mit dem Streichorchester, das angelegentlich die Initiative ergreift, dynamisch gut gestuft auch vom Solisten, hier eher Primus inter pares. Ein moderner Bach, mit zwingendem rhythmischen Drive.

Mahlers „Werther“ hat der Dirigent Bruno Walter einmal dessen Sinfonie Nr. 1 D-Dur genannt, auf die (Liebes-) Leiden des jungen Goethe anspielend. Tatsächlich pendelt sie schicksalhaft zwischen dunkel Melancholischem und der Lust am Parodistischen. Auf den ersten Blick sind das Geschichten aus dem Wienerwald, die da aus dem dauerhaft sich ins Ohr einnistenden Quart-Intervall geheimnisvoll und manchmal auch sehr prosaisch entwickelt werden. In aller Seelenruhe, mit vielen Schattierungen noch im mehrfachen Pianissimo vollzieht der junge, nervenstarke Dirigent das Erwachen der Natur, mit Trompeten aus dem Bühnen-Nebenraum und anheimelnden Hornquinten der überragenden Blechbläser.

Auch die vielen trivialen Momente zwischen derbem Ländler und Wiener Walzertraum tönen wie unter einem Vergrößerungsglas – und zielen wiederum auf den großen Schlusseffekt. Das Musik auch Satire sein kann, offenbart der harmlose Kanon „Frère Jacques“, den ein brutaler Akkord unterbricht. Orchestrale Schräglagen, von Shani und den Bambergern hart ausgespielt, signalisieren schlimmen Seelenkampf. Noch einmal paradieren Mahlers sinfonische Geister, final verdichtet in grandiosem Blechgeschmetter. Ein Mahler der hohen klanglichen Temperaturen, dank eines dirigierenden Heißsporns, den das Publikum wie einen Popstar feiert.

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