Geschliffenes Sänger-Handwerk

+
Sasha, Rea Garvey, Xavier Naidoo s(w)ingen perferkt mehrstimmig.

Rea Garvey, bärtiger Frontmann der Formation Reamonn, bringt in einem seiner Solos das zum Ausdruck, was nicht nur viele der in der Frankfurter Alten Oper versammelten Damen verträumt denken mögen: „Can’t Take My Eyes Off You“. Von Ferdinand Rathke

Ist ja auch zu schön, wenn Größen des deutschen Pop-Betriebs sich in Smoking, Fliege und Lackschuhe zwängen, zum Auftakt von „Alive and Swinging“ im grellen Scheinwerferlicht eine steile Las-Vegas-Treppe herunterschreiten müssen, vermeintlich locker sich in Bar-Kulisse gegenseitig Pointen wie Bälle zuwerfen und auch noch miteinander perfekt mehrstimmig s(w)ingen.

Drei gestandene Mannsbilder

Eigentlich sind es nur drei gestandene Mannsbilder, nämlich Sasha, Rea Garvey und Xavier Naidoo, die zu dritt, zu zweit oder im Alleingang trällern. Zwar nutzt auch Michael Mittermeier zweimal seine definitiv nicht vorhandene Singstimme, beim Solo mit Johnny Cashs „Ring Of Fire“ und zur Zugabe im Quartett bei „My Way“, doch zumeist bringt der oberbayerische Comedian sich als Rächer aller zu kurz Gekommenen mit reichlich dick aufgetragenen Kalauern in Stellung. Mitunter zielt das Gagbombardement arg derb in Richtung zotige Schenkelklopfer.

Zweimal nutzt auch Michael Mittermeier seine definitiv nicht vorhandene Singstimme.

Doch zum Glück wird im souverän wie soliden Gespann mit der Tobias Kremer Big Band ja auch noch unterhaltsam musiziert. Im Gegensatz zu Kollegen des deutschen Rock-Olymps wie Campino, Farin Urlaub und Herbert Grönemeyer, verstehen Sasha, Rea Garvey und Xavier Naidoo im von Regisseur Thomas Hermanns betreuten dreistündigen Entertainment jede Menge vom gesanglichen Handwerk. Schlicht hervorragend, wenn erst Sasha und Rea Garvey den Evergreen „The Lady Is A Tramp“ vom Stapel lassen, dann Xavier Naidoo sich „The Impossible Dream“ vornimmt und man das begeisterte Publikum hernach zu dritt mit der Steigerung „When You Are Smiling“ und „Luck Be A Lady“ in die Pause entlässt. Mag es im Musical solche Momente zuhauf geben – im deutschen Rock und Pop ist geschliffenes Handwerk nicht mehr alltäglich.

Xavier Naidoo outet sich als Soul-Purist

Sasha zeigt nach der Pause bei „It’s Not Unusual“ von Tom Jones vollen rhythmischen Körpereinsatz, Xavier Naidoo outet sich mit Jackie Wilsons „Higher And Higher“ als Soul-Purist und Rea Garvey lässt Tränen aufsteigen, als er den irischen Traditional „Danny Boy“ a cappella präsentiert. Dass Sasha und Xavier Naidoo „Solang man Träume noch leben kann“ von Münchner Freiheit nicht zufällig gewählt haben, ahnen nur diejenigen, die wissen, dass die beiden etwa gleichaltrigen Freunde in den Achtziger Jahren ihre Pubertät durchlebten.

Sasha, Xavier Naidoo und Rae Garvey bei „Alive and Swinging“

„Alive and Swinging“ in der Alten Oper

Keineswegs gewagt ist der Austausch von Songs untereinander in wohltuend ungewohnten Versionen: Garvey nimmt sich Naidoos „Ich kenne nichts“, Sasha Reamonns „Supergirl“ und Naidoo Sashas „So Lonely“ vor. „I’m Gonna Live Until I Die“ schmettern die drei zum Abschied – und es dürfte nicht ausgeschlossen sein, dass das Quartett demnächst wiederkehrt.

Kommentare