Getragen von Engelsflügeln

Frankfurt hat Gründe, Felix Mendelssohn Bartholdy zu feiern: Im Cäcilienverein, den er stellvertretend leitete, lernte er seine Frau Cécile kennen; in Stadt und Umgebung arbeitete er am „Elias“.

Den Wettlauf um die erste hiesige Aufführung des Oratoriums im Jubiläumsjahr gewann die Singakademie. Das Konzert in der Alten Oper zum 200. Geburtstag des Komponisten war Höhepunkt der Mendelssohntage. Die Mendelssohngesellschaft verband damit die Verleihung des Mendelssohnpreises an Nachwuchssänger.

Beim Auftritt der Preisträger konnte sich das Publikum davon überzeugen, dass die Juroren gut gewählt hatten. Sopranistin Fanie Antonelou sang Rezitative und Arien glockenrein und mit gestalterischer Reife: Trauernde Witwe, Engel, Botin im „Höre, Israel“. Als Engel und eifernde Königin gefiel Katharina Magiera. Ihr warmer, fülliger, aber beweglicher Alt klang wunderschön in Tiefe und Höhe. Einen Sonderpreis erhielt Georg Poplutz. Er beeindruckte als Obadja mit hellem, weichem Tenor, geschult an barockem Repertoire.

Das Oratorium ist ein Nebeneinander epischer und dramatischer Elemente, unterschiedlicher Stimmungen. „Stark, eifrig, auch wohl bös’ und zornig und finster, fast zur ganzen Welt ein Gegensatz, und doch getragen wie von Engelsflügeln“, so sah Mendelssohn den Propheten. Wolfgang Koch erwies sich als grandioser Interpret. Anfangs zurückhaltend, steigerte er sich zum feurigen Gotteskämpfer. Bewegend vermittelte er den zu Tode Traurigen und Verzagten.

Dirigent Paulus Christmann arbeitete die Dramatik heraus, ließ trotz romantischer Tonschönheit keine Sentimentalität aufkommen. Die Engel-Ensembles kamen zügig, leicht und fließend. Treffliche Partner waren die Frankfurter Virtuosen. Eine kammermusikalische Streicherbesetzung neben dem Bläserapparat garantierte schlanken Klang. Brillant, präzise und konzentriert auf Vorgaben reagierend, präsentierte sich die Singakademie. Sie wahrte hohe Transparenz, blieb Pracht und Wucht nicht schuldig. Eine packende Aufführung, die stürmischen Beifall erhielt. EVA SCHUMANN

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