Das gewisse Alles

Zehn Jahre ist es her, dass die Strokes den Urknall für die Rückkehr des Rocks verursacht haben. Und noch immer will der Strom junger Bands, die ihnen gefolgt sind, nicht abbrechen. The Screening sind ein klassischer Fall dieser Art. Von Stefan Michalzik

Ihr Debütalbum steht noch aus. Zwei Singles brauchte es bloß, um das Interesse zu wecken. Durchaus nicht zu Unrecht, so viel lässt sich nach dem Konzert im Offenbacher Hafen 2 sagen.

Dagegen verströmt die als Vorgruppe engagierte Leipziger Band L. A. Love den Charme von Amateuren. Die Platten aus der New-Wave-Ära hat das Quartett um die Sängerin Carrie Weight genauestens studiert und daraus sorgfältig einen Sound bar jeden eigenen Gepräges destilliert.

Die aus dem mittelenglischen Leicester stammenden The Screening sind einesteils anständige Haudraufs; auf der anderen Seite wissen sie sehr genau darum, dass es ein so bewährtes wie wirkungssicheres Mittel ist, das Tempo bisweilen zu drosseln, wenn man der Gefahr entgehen will, schnell zu langweilen.

The Screening haben fraglos das gewisse Alles, das es braucht, um in der Popmusik etwas zu werden. Ihr scheppernder Gitarrenrock ist von einem trockenen Pathos geprägt, er ist lässig und von untrügerischem Gespür für Dynamik gekennzeichnet.

Sänger und Gitarrist Tom Nurse raspelt die Songs im richtigen Verhältnis von Expressivität und Coolness. Er und seine Jungs wissen darum, was die vom New Wave beeinflussten Frisuren und die ausgesucht unausgesucht wirkenden Klamotten zur Gesamtinszenierung eines rotzigen Ungestüms beizutragen vermögen. Wenn die Strokes nicht unerwarteter Dinge gerade ein mit einigen erstaunlich zündenden Songs bestücktes Comeback-Album vorgelegt hätten, würde man wohl einfach sagen, dass The Screening eine Frische aufbringen, die jener vergleichbar ist, mit der die Altmeister vor zehn Jahren die Popwelt verändert haben.

Für einen neuen Urknall reicht das ganz bestimmt nicht, aber der kommt seinem Wesen nach nun einmal nicht alle Tage. Als eines der großen Dinger des Jahres 2011 könnten The Screening sich mit ihrem für den Sommer angekündigten Debüt „We’do All Better Know How To Swim“, das der durch seine Arbeit für Bloc Party, die Killers und We Are Scientists bekannte Mark Needham produziert hat am Ende freilich erweisen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare