Gipfel des Genres

Mezzosopranistin Johanna Krell, Offenbachs Expertin für Alte Musik, hat in der Rumpenheimer Schlosskirche für ein kleines Gipfeltreffen des Genres gesorgt. Mit der Altenstädter Traversflötistin Sabine Dreier und dem Neu-Offenbacher Lautenisten Toshinori Ozaki bot sie eine perfekte Demonstration dessen, was Alte Musik an Tiefe und Klangschönheit vermitteln kann. Von Reinhold Gries

John Wilsons altenglische Weise „Where the bee sucks“ brachte zu Beginn die tänzerisch-frühlingshafte Note in das Konzert, bei dem Krell und Dreiers Stimm- und Flötenkantilenen zu Ozakis Lautenbegleitung pastorale Idyllen malten. Melancholisch bis elegisch färbte sich die Stimmung in John Dowlands Ayres. Nicht nur in „Come, heavy sleep“ gefiel Krell mit glockenreinem Sopran und sanftem Vibrato. Bei „In Darkness let me dwell“ stellte sie ihre wandlungsfähigen Stimmregister auf tiefere Lagen ein, als wäre dies ein Kinderspiel. Dreiers Renaissanceflöte umspielte solche Liedkunst in virtuoser wie einfühlsamer Art. Und Ozaki zeigte im Lautensolo zur „Mignarda“, warum er mit den besten Originalklangensembles unterwegs ist.

Der japanische Saitenvirtuose wechselte bald auf seine Theorbe, um Arien aus Henry Purcells Semi-operas das nötige Bassfundament zu verschaffen. Wie gut dieses Erbe bei Krell aufgehoben ist, zeigte sich bei Purcells „Music for a while“, „O let me weep“ oder „Sweeter than roses“. Ebenso kostbar wirkte Claudio Monteverdis Madrigal „Ed è pur dunque vero“.

An musikbegeisterte Barockhöfe von Sanssouci oder Bayreuth schien man in Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate für Flöte und Basso continuo versetzt zu werden. Georg Friedrich Händels deutsche Arie „Singe, Seele, Gott zum Preise“ hätte als Motto für das ganze Konzert stehen können.

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