Gipfel der Glückseligen genommen

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Voller Leidenschaft: Alpen-Rocker Hubert von Goisern.

„Es gibt kein deutsches Wort für Show time!“, brüllt Hubert von Goisern dem Publikum im Offenbacher Capitol die erste Zeile des gleichnamigen Liedes entgegen – krachender Auftakt eines fast dreistündigen Konzerts, das mitreißend ist und das Publikum kräftig mitrocken, aber auch träumen lässt. Von Anke Steinfadt

Die Mischung aus lauten und leisen Tönen stimmt. Stücke vom aktuellen Album „S’Nix“ wechseln mit Repertoire-Lieblingen wie „Weit weit weg“ oder „Heast as nit“.

Am liebsten würde er 24 Stunden am Tag Musik machen. „Nix essen. Nicht schlafen“, versichert der 56-Jährige. Man glaubt es ihm aufs Wort. Sowohl seine Energie als auch seine Kreativität und Leidenschaft scheinen schier unendlich zu sein. Doch im vergangenen Jahr, während der „Linz Europa Tour“ auf einem umgebauten Frachtschiff, verließen den Tausendsassa zwischenzeitlich die Kräfte. Goisern nutzt die Gelegenheit, sich denjenigen im Saal zu erklären, die im vergangenen Juli beim Konzert am Offenbacher Mainufer vergeblich auf seinen zweiten Auftritt gewartet hatten.

Diesmal gab es keinerlei Anzeichen von Erschöpfung. Hubert Achleitner, der sich nach seinem Heimatort Bad Goisern benannt hat, singt meist voller Hingabe mit geschlossenen Augen, schreit, gestikuliert und jodelt. Er spielt Akkordeon, Trompete und Gitarre, wechselt die Instrumente manchmal innerhalb einer einzigen Nummer. Begleitet wird er von einer erstklassigen und gut gelaunten Band (Severin Trogbacher, Helmut Schartl müller, David Lackner, Alexander Pohn) sowie den Sängerinnen Elisabeth Schuen, Marlene Schuen und Maria Moling, die sich nebenbei an Violine und Perkussion betätigen. Gemeinsam erschaffen sie zuweilen Klangbilder von unglaublicher Breite und Tiefe, akustische Gebirgspanoramen, die den Zuhörer geradezu forttragen.

Kaum ein Musikstil, den der Erfinder des „Alpenrocks“ nicht in seine Kompositionen mit einfließen lässt. Reggae, Country, Funk, Zigeuner- und Polka-Rhythmen – all das verbindet er mit wie selbstverständlich mit traditioneller Volksmusik. Die Annäherung der Kulturen, die ihm so sehr am Herzen liegt, ist in seiner Musik längst vollzogen. Dass der Österreicher nicht nur ein politischer und soziokultureller Freidenker ist, sondern auch ein witziger Unterhalter, beweist er, als er von seinen ersten Jodelversuchen und von eigenartigen Bräuchen aus dem Salzkammergut berichtet. Ebenso macht er als Leiter des sehr engagierten Publikumschors eine gute Figur. Und am Ende der Showtime sind alle auf dem Gipfel der Glückseligkeit angekommen.

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