Guoda Gedvilaite in der Alten Oper

Glanzvoller Klavierabend

Frankfurt - Studiert hat sie in der Meisterklasse des Klavier-Professors Lev Natochenny – fast eine Bank für erfolgreich startende Karrieren. Guoda Gedvilaites Klavierabend in der Alten Oper Frankfurt wurde aber nicht nur als Heimspiel zu Recht mit starkem Applaus gewürdigt. Von Axel Zibulski

Die 1975 geborene Litauerin zeigte, dass pianistische Virtuosität sich keineswegs auf bloßen Oberflächenglanz beschränken muss. Gerade die gewagte, aber musikalisch erstaunlich schlüssige Stil-Mischung des zweiten Konzertteils bot ein spannungsvolles Kaleidoskop von Gedvilaites pianistischen Möglichkeiten: Die perkussiven Härten in Alberto Ginasteras erster Klaviersonate op. 22, waren unerhört locker und mit präzisem Blick auf die rhythmischen Kapriolen ausgespielt. Das oft gehörte „Oblivion“ von Ginasteras argentinischem Landsmann und Schüler Astor Piazzolla hat sich Gedvilaite ebenso selbst für Klavier arrangiert wie die Tango-Fuge aus Piazzollas Oper „Maria de Buenos Aires“ – viel Melos, viel Drive waren in diesen aparten Bearbeitungen im Spiel. Sergej Rachmaninows dunkles Étude-Tableau C-Dur op. 33/3 mit seinen wunderbar plastisch ausmodellierten Bass-Linien bedeutete schließlich einen melancholischen, Fritz Kreislers „Liebesleid“ einen geschmackvoll austarierten melodischen Höhepunkt.

Eröffnet hatte Guoda Gedvilaite ihr Programm mit Werken von Frédéric Chopin und Maurice Ravel, dessen „Valses nobles et sentimentales“ sie treffend verhangen ausfärbte, während „La Valse“, Ravels deftige Persiflage des Wiener Walzers, grell, aggressiv, aber auch klar, präzise und hoch souverän durchmessen war. Gedvilaites weites pianistisches Spektrum umfasste auch die schlichte Klarheit der kleinen „Pavane für eine verstorbene Infantin“ sowie Chopins glänzend und mit perfekt dosiertem Rubato ausgestellte „Grande Polonaise“ op. 22. Drei Zugaben von Clara Schumann, Debussy und Brahms ergänzten den musikalisch glanzvollen und pianistisch höchst genussreichen Klavierabend.

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